Nach Suizid von Henning G. : Polizisten klagen über Mobbing

Am Sonnabend hat sich ein 61-jähriger Polizeibeamter das Leben genommen. Der Mann wurde offenbar von seinen Kollegen schikaniert und zwangsversetzt – im Polizeibetrieb keine Ausnahme. Dem Tagesspiegel sind weitere Fälle bekannt.

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Für Polizeipräsidentin Margarete Koppers wird die "Motivation für den Suizid immer im Dunkeln bleiben".
Für Polizeipräsidentin Margarete Koppers wird die "Motivation für den Suizid immer im Dunkeln bleiben".

Die Berichterstattung über den Suizid des 61-jährigen Polizeibeamten Henning G., der sich am Sonnabend in Lankwitz mit Benzin übergossen und angezündet hatte, hat in Polizeikreisen und bei den Lesern eine Debatte über den Umgang mit Mobbingfällen bei der Polizei ausgelöst. Weitere Fälle wurden dem Tagesspiegel berichtet. So auch der des Hauptkommissars Jochen A. Er schildert, dass auch er gemobbt und zwangsversetzt worden sei, nachdem er sich gewehrt und erfolgreich gegen eine rechtswidrige Ernennung eines Kollegen auf die für ihn vorgesehen Stelle geklagt hatte.

„Ich wurde vor vielen Kollegen als Stück Scheiße und Unruhestifter bezeichnet“, sagte der 56-Jährige. Die Schikane löste bei ihm eine depressive Störung aus, wie es im Krankenbericht heißt. Ein Klinikaufenthalt folgte. Nach seiner Entlassung sei er versetzt worden, weil auch die polizeiliche Konfliktkommission keinerlei Einigung habe erzielen können. Er habe eine Klage gegen seinen ehemaligen Vorgesetzten wegen Mobbings eingereicht. Er sei jetzt in die Kleiderkammer versetzt worden.

„Tiefer geht es nicht“, sagte der CDU Abgeordnete Peter Trapp. Im Fall Henning G. hatten mehrere Kollegen berichtet, dass dieser erhebliche Probleme mit dem ehemaligen Vorgesetzten seiner alten Dienststelle in Neukölln hatte und daraufhin „zwangsversetzt“ worden sei. Ob zu den dienstlichen Schwierigkeiten auch private Probleme kamen, ist unbekannt. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief. „Die Motivation für seinen Suizid wird immer im Dunkeln bleiben“, sagte die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers.

In der polizeiinternen Statistik über „Suizide und -versuche“, ist der 61-Jährige der siebte Fall in diesem Jahr. 2010 gab es ebenfalls sieben Fälle, in den beiden Jahren davor jeweils sechs. Ursachen werden nicht genannt. Auch würden aus datenschutzrechtlichen Gründen die Fälle von Mobbing nicht dokumentiert. Mit dem „Mobbing-Report" aus dem Jahr 2002 wurden erstmals und bisher einmalig Daten über das Ausmaß von Mobbing und besonders gefährdete Gruppen bekannt. Das Risiko in sozialen Berufen war am höchsten. Es folgen die allgemeine Verwaltung und der öffentliche Dienst. Besonders beruflich kompetente und qualifizierte Menschen fallen Mobbern zum Opfer. Außerdem sind besonders junge und ältere Arbeitnehmer häufiger betroffen.

Zahlen über Klagen wegen Mobbings bei der Berliner Polizei gibt es nicht, heißt es in der Antwort auf eine kleine Anfrage der CDU vom Juni. Der Tatvorwurf läuft unter Körperverletzung im Amt. „Bei der Polizei herrscht eine hierarchische Struktur. Es wird nach Befehl und Gehorsam gearbeitet. Bei Auseinandersetzungen muss der Frieden gewahrt werden. Wenn das nicht greift, kommt es zur Versetzung“, schildert der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Klaus Eisenreich, das Prozedere.

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