Neun Jahre nach Mord an Schwester : Sürücüs Mörder: "Ich bin wieder in Deutschland"

Vor neun Jahren hat Ayhan Sürücü seine Schwester Hatun in Berlin erschossen. Nach seiner Haftentlassung wurde er dieses Jahr in die Türkei abgeschoben. Jetzt behauptet er, er sei vorübergehend zurück in Deutschland gewesen.

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2005 wurde die 23-jährige Hatun Sürücü in Tempelhof erschossen.
2005 wurde die 23-jährige Hatun Sürücü in Tempelhof erschossen.Foto: dpa

Er posiert triumphierend mit unkenntlich gemachten Männern vor schwarzem Hintergrund: Auf Facebook verkündet Ayhan Sürücü, der 2005 in Berlin seine Schwester Hatun Sürücü getötet hat, er sei zurück in Deutschland. Mehr als neun Jahre hatte er nach dem Mord in Haft verbracht. Nach seiner Entlassung wurde der mittlerweile 27-Jährige in die Türkei abgeschoben. Jetzt vermeldet er im öffentlich sichtbaren Facebook-Eintrag seine Rückkehr - trotz Wiedereinreiseverbot. Den Eintrag hatte er am Sonntag kurz nach Mitternacht veröffentlicht.

Unter dem Bild, das keine Rückschlüsse auf seinen Aufenthaltsort zulässt, schreibt Sürücü: "dank der trottel vom BGS (Anmerkung der Redaktion: Bundesgrenzschutz, eigentlich heute: Bundespolizei) bin ich wieder in Deutschland!!!" Ob seine Behauptung stimmt, ist unklar. Der Facebook-Account scheint authentisch, zweifelsfrei überprüfen lässt sich das aber nicht. Eine Sprecherin der Bundespolizei sagte am Dienstag: "Uns ist derzeit nicht bekannt, dass er sich in Deutschland aufhält." Eine Behauptung wie die in dem Internet-Eintrag könne schließlich jeder aufstellen. Die Sprecherin sagte weiter: "Zu diesem Zeitpunkt hat die Bundespolizei keine Veranlassung zum Einschreiten."

Um nach Deutschland oder den Schengen-Raum mit freiem Personenverkehr einreisen zu können, hätte Sürücü ein Visum beantragen müssen. Das würde er wegen des Wiedereinreiseverbots in Deutschland weder für die Bundesrepublik noch für die anderen Mitgliedsländer des Schengen-Abkommens bekommen. In Einzelfällen gebe es nationale Visa in Absprache mit den Mitgliedsländern, sagte die Sprecherin. Jedoch wären die deutschen Behörden informiert gewesen.

Zudem gibt es an den Außengrenzen des Schengen-Raums Fahndungssysteme, die bei der Passkontrolle das Wiedereinreiseverbot in Deutschland melden.

Bis zum Dienstagnachmittag war der öffentliche Eintrag auf Facebook wieder gelöscht. Zuvor hatte dort noch gestanden, Sürücü habe „ein paar Geschenke mitgebracht, frisch aus der Grenze zu Syrien“. Offenbar wollte er damit Assoziationen zu IS-Kämpfern wecken. Zudem behauptete Sürücü, sein Aufenthalt in Deutschland sei nur kurz: „bin in paar std. wieder weg“. Demnach hätte er das Land mittlerweile wieder verlassen.

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