Oberstudienrat vor Gericht : Vorwurf: Tochter sexuell missbraucht

Seit Dienstag muss sich ein Oberstudienrat aus Tegel wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht verantworten. Der Beschuldigte konnte lange hoffen, dass es nicht zum Prozess kommen würde.

von

Zwar sind die schweren Vorwürfe gegen ihn seit mehr als fünf Jahren in der Welt, zwar wurde er auch suspendiert, aber das Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs ruhte. Seine Tochter, die Anzeige erstattet hatte, wollte nicht mehr aussagen. Nach einer Therapie änderte sich das. Mit schwerem Schritt betrat ihr Vater am Dienstag den Gerichtssaal.

Zwölf Übergriffe zwischen 1997 und 2001 werden dem 63-Jährigen zur Last gelegt. Sie sollen im Haus der Familie in Tegel geschehen sein – „vornehmlich donnerstags, wenn seine Frau einen Abendtermin hatte“, hieß es in der Anklage. Der Vater von drei Söhnen und einer Tochter habe das damals achtjährige Mädchen angefasst, wenn es im Bett lag.

Bevor der langjährige Gymnasiallehrer aussagte, ging es jedoch um mögliche Milde am Ende des Prozesses. „Weniger als ein Jahr auf Bewährung bei einer Verurteilung“, zitierte die Richterin den Anwalt. „Auch wegen beamtenrechtlicher Folgen“, soll er im Vorfeld argumentiert haben. Es geht mit dem Prozess auch um die Pension des Lehrers, doch das Gericht gab ihm kein Signal der Entwarnung. Hinter verschlossenen Türen wollte der Pädagoge dann vier der angeklagten Fälle einräumen.

Er war vor acht Jahren aus der Wohnung der Familie ausgezogen. Seine Frau wollte es so. Die Tochter sei zunächst „fast euphorisch“ über das Leben ohne den Vater gewesen, sagte die Mutter. Ihr Mann habe die Kinder oft grundlos angeschrien. Ihre Tochter habe aber nie etwas von sexuellen Übergriffen berichtet. „Bis zu ihrem schrecklichen Zusammenbruch“, beschrieb die Mutter. „Ich habe meine Kinder nicht genügend beschützt“, fügte sie unter Tränen hinzu. Vieles, was sie unter dem Vater erdulden mussten, habe sie erst später erfahren. Nachdem die Tochter die Anzeige erstattet hatte, suchte ihr die Mutter eine Anwältin. „Du entscheidest, was passiert, ich trage es mit“, bestärkte sie die inzwischen 22-Jährige.

Mit einem Urteil wird Mitte Oktober gerechnet.

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben