Ordnungsamt : "Manche wünschen uns Krankheiten an den Hals"

Auf Streife mit dem Ordnungsamt durch Kreuzberg-Friedrichshain: Telefonierende Radfahrer, zu laute Musik und das neue Nichtraucherschutzgesetz hält die Behörden auf Trab. Ab und zu kommt es auch zu Handgreiflichkeiten.

Jana Hauschild[ddp]
Ordnungsamt
Das Ordnungsamt hat alle Hände voll zu tun. -Foto: ddp

BerlinMit etwas grimmigem Gesicht beendet der Radfahrer sein Telefongespräch. Mitarbeiter des Ordnungsamtes Friedrichshain-Kreuzberg haben den jungen Mann in der Warschauer Straße angehalten, weil er während der Fahrt das Handy am Ohr hatte. "Ist doch nichts passiert", murmelt er. Die Ordnungshüter Klaus Schmidt und Gerhard Nissen hören diesen Satz oft. Sie gehen seit rund drei Jahren für die Behörde in dem Berliner Szenebezirk auf Streife.

Das Amt wurde 2004 ins Leben gerufen, um Verstöße gegen Gesetze und Verordnungen, aber auch den Schlendrian einzudämmen. Derzeit sehen in allen Bezirken der Stadt insgesamt rund 300 Mitarbeiter in zwei Schichten von 6.00 bis 22.00 Uhr nach dem Rechten.

"Mit Verstärker dürft ihr hier nicht spielen"

Die zwei ehemaligen Polizisten im Alter von 38 und 50 Jahren wollen an diesem Tag die Grünanlagen des Bezirks kontrollieren. Auf dem kurzen Weg zum Auto halten sie eine Radfahrerin an, die auf dem Gehweg fährt und Fußgänger gefährdet. Sie muss fünf Euro Strafe zahlen. Die Besitzerin eines Kampfhundes wird von Nissen um die entsprechenden Papiere für das Tier gebeten. Und zwei Touristen, die mit E-Gitarre und Verstärker musiziert und um Geld gebeten haben, müssen zusammenpacken und gehen. "Die Musik ist okay, aber mit Verstärker dürft ihr hier nicht spielen", erklärt Schmidt.

Nach nur wenigen Metern Autofahrt halten die Beamten wieder. Der Inhaber eines Imbisses hat zur Neueröffnung ein nicht genehmigtes Plakat aufgehängt. Er muss es abnehmen und wird verwarnt. Anschließend verteilt das Duo in seinen dunkelblauen Uniformen an einer Straßenbahn-Haltestelle auf einen Schlag neun Knöllchen an Falschparker. Was die Autofahrer sich dabei denken, fragt Schmidt. "Sollen die Leute beim Aussteigen etwa über die Autos klettern?"

"Gelegentlich gibt es auch Übergriffe"

In den Parks ist es an diesem kühlen Abend zur Wochenmitte recht leer. Zwei Hunde rennen unangeleint über die Wiese. Die Besitzer zahlen die 25 Euro Geldstrafe und geben sich einsichtig. "Hier im Bezirk hören wir schnell mal böse Worte, gelegentlich gibt es auch Übergriffe. So ruhig wie heute ist es selten", berichtet Schmidt. Nissen erzählt, er sei im vergangenen Jahr von einem Mann sogar geschlagen worden, weil er ihm eine Anzeige wegen Lärmbelästigung angekündigt hatte. Oft werden ihnen von Betrunkenen im Park Krankheiten an den Hals gewünscht. "Die Leute nervt unsere Arbeit manchmal, aber wir handeln nur nach dem Gesetz", verteidigt Schmidt seinen Job.

Später beschwert sich ein Passant bei den Männern über Gehwege, die mit Schildern zugestellt wurden. Erst wenige Minuten zuvor hatten sie vor vier Restaurants die Räumung angeordnet. "Die Leute denken oft, wir machen nichts, aber gerade bei Gaststätten gibt es viel zu tun", erklärt Nissen. Eine Anzeige könne die Behörde erst erstatten, wenn vorher drei bis vier Verwarnungen ausgesprochen worden sind.

Zu wenig Personal

Mit dem Nichtraucherschutzgesetz, das Anfang 2008 in Kraft treten soll, kommt noch mehr Arbeit auf die Ordnungsämter zu. "Mit dem vorhandenen Personal sind die Kontrollen nicht zu schaffen, eigentlich sogar völlig unmöglich", sagt Nissen. Dabei sei die Behörde in Friedrichshain-Kreuzberg mit 34 Mitarbeitern im Streifendienst neben Neukölln schon Spitze. Allerdings schätzt Nissen, dass ab Januar mindestens zwölf weitere Männer und Frauen gebraucht werden, um effektiv arbeiten zu können. Schmidt rechnet zudem mit einer Ausdehnung der Schicht bis 2.00 Uhr in der Nacht. Irgendjemand müsse doch kontrollieren, ob Restaurants sich an die neuen Bestimmungen halten, sagt er.

Am Ende der Tour stehen sechs Anzeigen, diverse mündliche Verwarnungen und 18 Verkehrsverstöße zu Buche. Eine Stunde vor Dienstende fahren die beiden ins Büro, um die schriftlichen Arbeiten zu erledigen. Schmidt sagt: "Heute werden wir damit sicher nicht mehr fertig."

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