Poker-Raub : "Mischung aus Dummheit und Dreistigkeit"

Die Ermittler rätseln über die Täter des Poker-Raubes. Polizeipräsident Glietsch erwartet allerdings eine zügige Aufklärung. Da die Täter schon vor dem Verlassen des Hyatt-Hotels ihre Masken abgenommen hatten, gibt es Bilder ihrer Gesichter.

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Zwei Tage nach dem Poker-Coup vom Potsdamer Platz wagte sich Polizeipräsident Dieter Glietsch gestern weit vor: „Die Chancen stehen nicht schlecht“, sagte er – und meinte damit die Aussicht, die Räuber zu erwischen, die 242 000 Euro erbeutet haben. Die Foto- und Videoaufnahmen seien bereits „weitestgehend ausgewertet“, sagte Glietsch.

Die Bilder sollen jedoch vorerst nicht veröffentlicht werden. Denn die Ermittler setzen zunächst auf ihr bewährtes Instrumentarium: Das bedeutet, dass die Gesichter mit den eigenen Karteien abgeglichen werden. Außerdem werden sich alle Kriminalbeamten, die mit infrage kommenden Verdächtigen zu tun haben, die Aufzeichnungen ansehen. Gleichzeitig werden die am Tatort sichergestellten DNA-Spuren und Fingerabdrücke analysiert und abgeglichen. Entgegen anderslautenden Berichten sei aber noch nicht geklärt, ob DNA-Spuren der Täter darunter seien, hieß es. Es werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis einzelne Spuren konkreten Personen zugeordnet werden können. Ein Ermittlungsansatz könne sich daraus erst ergeben, wenn die Datenbank des Bundeskriminalamtes einen Treffer zu einer der Spuren melde.

Bislang wurden 20 Personen von der Kripo vernommen, die die Männer auf ihrer Flucht ohne Masken gesehen haben. Trotz der zahlreichen Anhaltspunkte und Hinweise gebe es aber bisher keine heiße Spur, dämpfte die Polizei Erwartungen an eine rasche Aufklärung. Schnell ergriffen werden können die Täter ohnehin nur, wenn sie nicht bereits im Ausland sind.

Gerätselt wird bei der Polizei immer noch über die bizarre Mischung aus Dummheit und Dreistigkeit bei den Tätern. Es sei enorm riskant gewesen, angesichts von Wachleuten und Hunderten Teilnehmern quasi vor laufenden Kameras eine derart hochkarätige Veranstaltung zu überfallen. Da die Täter schon vor dem Verlassen des Hyatt-Hotels ihre Masken abgenommen hatten, gibt es Bilder ihrer Gesichter. Einer der Männer sei mit einer auffallend roten Jacke bekleidet gewesen und habe keine Handschuhe getragen.

Die Täter hatten nicht einmal eine Tasche zum Transport des Bargeldes dabei, sondern griffen sich im Foyer des Hotels eine Aktenmappe eines Besuchers. Da es einem Hotelangestellten gelungen war, diese Tasche den Tätern bei dem Gerangel wieder abzunehmen, gibt es Fingerabdrücke eines der Männer. Zudem war der größte Teil der 691 000 Euro in dieser Tasche gewesen.

Angesichts dieser Summen verschärfte die Polizei gestern die Kritik an den laxen Sicherheitsmaßnahmen der Veranstalter. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kritisierte die geringe Anzahl von Sicherheitsleuten. Ein Veranstalter, „der mit solchen Geldsummen in bar hantiert und diese offen herumliegen lässt“, müsse Sorge tragen, dass auch genügend Sicherheitspersonal da sei. Ein einziger Wachmann und ein Hotelpraktikant reichten „da wirklich nicht aus“. Wendt sprach im Sender „n-tv“ von einer „neuen Dimension der Dummheit“. Ein leitender Berliner Ermittler gab dagegen zu bedenken, dass „diese Kombination von Dummheit und Dreistigkeit letztlich ja zum Erfolg geführt“ habe. Ein anderer kritisierte den Einsatz des anwesenden Wachmanns als unprofessionell. „Wer sich Tätern in den Weg stellt, die mit Schusswaffe und Machete bewaffnet sind, ist lebensmüde.“

Unklar ist weiterhin, ob die Täter Insiderkenntnisse oder gar einen Komplizen im Hotel hatten. Denn der Überfall geschah, als zwei Wachleute gerade Pause hatten.

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