Polizei-Chef Glietsch : "Wir lassen uns nicht überraschen“

Einen Tag vor dem 1. Mai ist die Hauptstadt erstaunlich unaufgeregt. Berlins Polizeipräsident Glietsch setzt auf das Myfest in Kreuzberg.

Glietsch
Polizeipräsident Dieter Glietsch. -Foto: Thilo Rückeis

Herr Glietsch, die Polizeiangestellten streiken. Wie wird sich das auf die Sicherheit am diesjährigen 1. Mai auswirken – sind genug Polizeibeamte im Einsatz?



Wenn es bei der Entscheidung des Arbeitsgerichtes bleibt, wird die Berliner Polizei am 30. April und am 1. Mai eine Zusatzbelastung zu tragen haben, die sie kaum verkraften kann. Die Einsatzstärke am 1. Mai können und werden wir aber nicht reduzieren.

Berlin sieht dem 1. Mai so gelassen wie nie zuvor entgegen. Kann das nach hinten losgehen?

Wir sind nach der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre zwar zuversichtlich, aber wie immer sehr gut vorbereitet. Wir setzen nicht auf Lücke und lassen uns dann überraschen.

Wo erwartet die Polizei Stress? Eher aus der linken Szene oder aus der Ecke der Krawallkids?

Abgesehen von Einzelfällen ging die Gewalt in den vergangenen Jahren nicht von Demonstrationsteilnehmern aus, sondern von teilweise alkoholisierten Randalierern, denen nicht nur das politische Denken schwer fällt. Krawallkids mit und ohne Migrationshintergrund müssen und werden wir im Auge behalten.

Besteht nicht gerade in diesem Jahr – möglicherweise, weil niemand Ausschreitungen erwartet – die Möglichkeit, dass die Gewalt eskaliert?

Weil diese Gefahr nie auszuschließen ist, haben wir auch in diesem Jahr wieder alles getan, um Eskalationen entgegenzuwirken. Der 1. Mai ist in den vergangenen Jahren vor allem deshalb friedlicher geworden, weil die Kreuzberger selbst mit ihrem Myfest der Gewalt aktiv entgegentreten. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir mit allen Veranstaltern vertrauensvoll zusammenarbeiten, die Friedlichkeit durch eine der Lage angemessene Präsenz fördern und auf Gewalt schnell und gezielt reagieren.

Die Fragen stellte Tanja Buntrock.

Dieter Glietsch (61) begann 1964 bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen. Seit 2002 ist er Polizeipräsident in Berlin. Im vorigen Jahr wurde seine Amtszeit um vier Jahre verlängert.

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