Polizei-Ermittlungen eingestellt : Tödlicher Schuss ohne Folgen - Fragen bleiben offen

Nachdem bei einem Polizeieinsatz in Reinickendorf Ende August eine 53-jährige Frau ums Leben kam, werden nun die Ermittlungen eingestellt. Fazit: "Die Beamten haben richtig gehandelt"

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Im Märkischen Viertel starb Ende August eine Frau bei einem Polizeieinsatz. Sie hatte die Beamten mit einem Messer attackiert.Alle Bilder anzeigen
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24.08.2011 18:53Im Märkischen Viertel starb Ende August eine Frau bei einem Polizeieinsatz. Sie hatte die Beamten mit einem Messer attackiert.

Der Tod einer 53-jährigen Reinickendorferin wird voraussichtlich keine juristischen Folgen für die eingesetzten Polizeibeamten haben. Wie berichtet, war die psychisch kranke Frau Ende August bei einem Polizeieinsatz in ihrer Wohnung erschossen worden, nachdem sie die Einsatzkräfte mit einem Messer attackiert hatte. Nach Informationen des Tagesspiegels werden die Ermittlungen zu dem Todesfall jetzt eingestellt. Der Polizist habe in Nothilfe gehandelt. Politiker und Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass viele Fragen zu dem Einsatz unbeantwortet geblieben sind.

Die knapp 1,60 Meter große und 40 Kilo schwere Frau sollte zu einer gerichtlichen Anhörung gebracht werden. Als zwei Polizisten gewaltsam ihr Zimmer öffneten, verletzte sie einen Beamten mit einem Messer am Arm. Das eingesetzte Pfefferspray blieb wirkungslos. Später wurde bekannt, dass die Verletzungen des Polizisten nur oberflächlich und „nicht so schlimm“ waren, wie ein Ermittler sagt.

Polizeipräsidentin Margarete Koppers nannte zuletzt im Innenausschuss weitere Details zum Einsatz. So habe es sich bei dem Einsatzführer der Hundertschaft, die nach dem ersten Angriff gerufen wurde, um einen „ausgebildeten Erstsprecher für Geiselnahmen“ gehandelt. Unklar bleibt, warum der Polizist, der bei der anschließenden Stürmung der Wohnung ganz vorn stand, ein Stahlschild, aber keinen Helm trug. Als er beim Angriff der Frau stürzte, schoss sein Kollege. Die Schwerverletzte wurde anschließend auf den Boden gedrückt und entwaffnet. Notärzte konnten die Frau nicht mehr retten.

Auf die Frage der Grünen im Innenausschuss, warum nicht das SEK hinzugezogen wurde, nahm Koppers mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellung. „Die Beamten haben richtig gehandelt“, sagt ein erfahrener Ermittler. In solch einer Extremsituation sei es kaum möglich, darüber nachzudenken, dass man möglichst nur auf Arme oder Beine zielen sollte. „Ich frage mich, warum die Polizei und die Betreuungsbehörde vor dem Einsatz offensichtlich nicht mit den Ärzten vom sozialpsychiatrischen Dienst gesprochen haben“, sagt dagegen Benedikt Lux (Grüne). Die für die Frau zuständigen Ärzte hätten ihren Zustand am besten beurteilen können. Lux unterstützt die Forderung der Internationalen Liga für Menschenrechte nach einer unabhängigen Untersuchungskommission.

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