Polizei gegen Fußballfans : Hier schlägt der Chef noch selbst

Der Polizist, der am vorigen Wochenende beim Spiel BFC Dynamo gegen Tennis Borussia zwei Fans niedergeschlagen hat und dabei gefilmt wurde, ist identifiziert. Es handelt sich um den Chef einer Hundertschaft. Bis zur Klärung der Vorwürfe wurde er von seinen Aufgaben entbunden.

Tanja Buntrock[André Görke],Lars Spannagel
Berliner Polizei 2
Ein Amateurvideo zeigt einen Polizisten, der ohne ersichtlichen Grund zwei Fans des BFC Dynamo Berlin schlägt. -Foto: Youtube

Der Polizist, der am vorigen Sonntag beim Spiel der Fußball-Oberliga zwischen Tennis Borussia Berlin und dem BFC Dynamo einen Fan niedergeschlagen hat, ist identifiziert. Die Polizei gab am Freitag bekannt, dass sie ein Strafermittlungsverfahren gegen den Beamten eingeleitet hat. Es handelt es sich um einen Hundertschaftsführer der Bereitschaftspolizei mit dem Dienstgrad Erster Polizeihauptkommissar – also um einen Beamten mit Führungsaufgaben, dem bis zu 80 Polizisten unterstellt sind. Über dienstrechtliche Konsequenzen werde entschieden, wenn die Ermittlungsergebnisse vorliegen. Doch bis zum Abschluss der Ermittlungen ist der Hundertschaftsführer von seinen Aufgaben entbunden. „Er wird so lange für andere Aufgaben verwendet“, sagte ein Polizeisprecher. Detailliertere Angaben zu dem Beamten machte die Polizei nicht – aus „Gründen des Persönlichkeitsschutzes“.

Wie berichtet, war im Internet ein 27 Sekunden langes Handy-Video aufgetaucht, auf dem zu sehen ist, wie ein Polizist zwei Fans des BFC Dynamo ohne ersichtlichen Grund die Faust ins Gesicht schlägt. Der Polizei ist das Video am Donnerstagabend vorgespielt worden. „Das Geschehen auf dem Video begründet den Verdacht einer Körperverletzung im Amt“, hieß es im Polizeipräsidium. Auf dem Video ist auch ein weiterer Polizist zu sehen, der die Auseinandersetzung seinerseits mit einer Videokamera aufzeichnet.

Faustrecht: Polizeigewalt beim Derby TeBe - BFC Dynamo

Vor dem Spiel hatte es eine Sicherheitsbesprechung zwischen der Polizei und dem Fanbeauftragten des BFC, Rainer Lüdtke gegeben. Dabei sei dem vereinseigenen Ordnungsdienst eine gewisse Reaktionszeit bei Störungen oder Ausschreitungen im Block zugestanden worden, sagt Lüdtke. Der Einsatzleiter der Polizei kündigte in dem Gespräch allerdings auch an, „schnell reagieren“ zu wollen. Zeugen des Gesprächs sagten zudem, der Einsatzleiter habe sich selbst als „dünnhäutig“ bezeichnet. Während des Spiels wurden zweimal Böller auf die Laufbahn des Mommsenstadions geschleudert. Einen Fan, der auf den Zaun vor dem Block geklettert war, übergaben die BFC-Ordner der Polizei. „Anscheinend hat die Polizei dann den Böller-Werfer identifiziert und wollte ihn aus dem Block holen“, sagt Lüdtke. Dabei kam es zur Konfrontation mit den Fans, die Polizei setzte Pfefferspray ein.

In der Vergangenheit ist schon mehrfach gegen Berliner Polizisten wegen des Vorwurfs der Körperverletzung ermittelt worden, 2007 insgesamt 155 Mal. Dies teilte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Sommer auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Bilkay Öney mit. Wieviele dieser Fälle mit Einsätzen bei Fußballspielen im Zusammenhang standen, ist nicht bekannt. 13 Beamte wurden verurteilt, in fünf Fällen wurde eine Geldstrafe verhängt. Die anderen acht Polizisten wurden zu Bewährungsstrafen zwischen acht und 20 Monaten verurteilt. Allerdings wurden Beamte auch selbst Opfer von Gewalt: 2007 wurden 3912 Verfahren wegen Widerstandes gegen Polizisten eingeleitet.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben