Polizei : Schläger vom Dienst in der Bereitschaftspolizei

Beamte stehen unter Verdacht der Körperverletzung. Der Polizeipräsident untersuchte die Ausrüstung einer verdächtigen Einheit und fand dabei gefährliche Quarzhandschuhe. Nun läuft gegen sieben Beamte ein Disziplinarverfahren.

Jörn Hasselmann

Eine ganze Einheit der Polizei ist unter Verdacht geraten, Körperverletzung im Amt begangen zu haben: Sie soll gegen Verdächtige mit übermäßiger Härte und verbotenen Ausrüstungsgegenständen vorgegangen sein. Polizeipräsident Dieter Glietsch ließ gestern die Ausrüstung der Einsatzhundertschaft der Direktion 4 von einem Spezialkommissariat des Landeskriminalamts überprüfen. Dabei wurden mehrere so genannte Quarzhandschuhe gefunden. Diese sind mit schwerem Sand gefüllt und werden vor allem in der Neonaziszene eingesetzt, weil Faustschläge dadurch weitaus mehr Wucht erhalten.

Gegen sieben Beamte seien Disziplinarverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei gestern mit. Besonders die Chefs der Einheit sollen bei Einsätzen mit unangemessener Härte vorgegangen sein. Die eigenmächtig beschafften Handschuhe wurden hauptsächlich bei den Vorgesetzten in der Einheit gefunden. Gegen die Beamten wird nun dienst- und strafrechtlich ermittelt. Geprüft wird, ob und wie die Handschuhe eingesetzt wurden. Ein Schlag mit einem Quarzhandschuh kann als gefährliche Körperverletzung gewertet werden.

Einige wollten das brutale Vorgehen nicht mehr decken.

Zur Razzia in den eigenen Reihen kam es, nachdem sich mehrere Beamte der Einheit, die das brutale Vorgehen offenbar nicht länger decken wollten, gemeinsam an den Leiter der Polizeidirektion, Andreas Pahl, gewandt hatten. „Das ist beispielhaft und verdient Anerkennung“, lobte Polizeipräsident Glietsch. Der Leiter der Hundertschaft, die drei Zugführer und mehrere Gruppenführer wurden von ihren Funktionen entbunden.

Glietsch nannte die Vorwürfe „außerordentlich schwerwiegend“. Sie begründeten den Verdacht, „dass hier Führungskräfte ihre Dienstpflichten gravierend verletzt und Straftaten im Amt begangen haben.“ Glietsch kündigte an, dass der Fall neben der strafrechtlichen Verfolgung auch „behördenweit für die Führung, Ausbildung und Fortbildung ausgewertet“ werde. Der Polizeipräsident hob aber auch hervor, dass die „soziale Kontrolle in der Polizei“ funktioniere. Bislang war die Hundertschaft der für Steglitz und Zehlendorf zuständigen Direktion 4 nicht negativ aufgefallen.

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