Polizeigewalt : Verprügelte Exil-Iranerin weiter im Krankenhaus

Die von einem Polizisten geschlagene Exil-Iranerin bleibt mit Verdacht auf Bruch der Lendenwirbelsäule im Krankenhaus. Am Freitag war bei einer Demonstration in Zehlendorf offenbar ein Beamter gezielt auf die 57-Jährige losgegangen.

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Das Berliner Landeskriminalamt sagt nichts über den Beamten, der am Freitag die 57-jährige Tahereh Lindhorst in Zehlendorf geschlagen und verletzt hat. Aus dem Polizeipräsidium heißt es nur: „Wir ermitteln von Amts wegen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt gegen unbekannt.“ Wie berichtet, hatten rund 80 Berliner Exil-Iraner am Tag der Menschenrechte vor der Botschaft der islamischen Republik in Zehlendorf demonstriert – wie jedes Jahr verlief der Protest zunächst friedlich. Teilnehmer berichteten dem Tagesspiegel, dass ein Beamter gezielt auf die von ihm zuvor beobachtete Tahereh Lindhorst losgegangen sein soll.

Die Sozialarbeiterin aus Wilmersdorf hatte offenbar ein Transparent mit der Aufschrift „Nieder mit der islamischen Republik Iran“ gehalten, das die eingesetzten Polizisten unbegründet kassieren wollten. Dabei wurde auch Lindhorst getreten, einem männlichen Demonstranten soll die Nase gebrochen worden sein. Das Transparent wird seit Jahren auf Protesten gegen die Todesstrafe und das Regime im Iran gezeigt.

Andere Staaten seien hierzulande nicht beleidigungsfähig, eine Verunglimpfung könne nur verfolgt werden, wenn sie sich gegen die Bundesrepublik richte, erklärte Daniel Wölky, der Rechtsanwalt der Betroffenen. „Es ist davon auszugehen, dass die irrtümliche Annahme einer Straftat durch das Transparent nur zur Rechtfertigung eines rechtswidrigen Einsatzes vorgeschoben wurde“, sagte der Jurist. Es gebe Filmaufnahmen von dem Zwischenfall, die ausgewertet werden sollen.

Ob der iranische Botschafter die Exiliraner wegen des Plakatspruches angezeigt hatte, und ob die eingesetzten Beamten bei dem Zugriff angegriffen worden seien, bestätigte die Polizei nicht. Die Tochter von Tahereh Lindhorst, selber Ärztin, sagte, ihre Mutter habe weiter starke Schmerzen, es bestehe der Verdacht auf Bruch der Lendenwirbelsäule. Selbst wenn es sich dabei um eine Prellung handeln sollte, müsse sie mindestens bis Dienstag im Krankenhaus bleiben. Sie stehe unter Schock.

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