Polizeipanne bei Rockerermittlungen : Wettbüro-Mord: Neue Fachdienststelle war nicht informiert

Nach dem Rockermord in einem Reinickendorfer Wettbüro ermittelt die Polizei intern: Das spätere Opfer war nicht genug geschützt worden. Und das, obwohl erst kurz vor der Tat eine neue Dienststelle für die Risikobewertung hoch gefährdeter Personen eingerichtet worden war.

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Am Tatort. Polizeibeamte am Tatort der Schießerei vom 11. Januar in einer Sportwettenbar in Berlin-Reinickendorf. Am Mittwoch wurde der zehnte Tatverdächtige festgenommen.
Am Tatort. Polizeibeamte am Tatort der Schießerei vom 11. Januar in einer Sportwettenbar in Berlin-Reinickendorf. Am Mittwoch...Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Nach dem Rockermord in einem Reinickendorfer Wettbüro gibt die Polizei zu, dass bei den Ermittlungen etwas schief gelaufen ist. Die Panne soll nun intern aufgeklärt werden. Geleitet werden die Ermittlungen seit Anfang Februar von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers.
Die Gefährdungslage für das spätere Opfer Tahir Ö. sei „falsch eingeschätzt“ worden, heißt es – und das, obwohl erst wenige Tage vor den tödlichen Schüssen am 10. Januar eine eigene Dienststelle im Landeskriminalamt eingerichtet worden war, die für die Gefährdungseinschätzung und Gefahrenabwehr in derartigen Fällen zuständig ist. Sind also die neuen Kollegen von den Rocker-Ermittlern nicht gut genug eingebunden worden? „All diese Fragen werden jetzt zu klären sein“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.
Fest steht, dass die falsche Bewertung, die bereits am 5. November getroffen wurde, dazu führte, „dass keine angemessenen gefahrenabwehrenden Maßnahmen ergriffen wurden“: weder gab es ein „Sensibilisierungsgespräch“ bei Tahir Ö. noch eine Gefährderansprache bei Kadir P., dem mutmaßlichen Auftraggeber der Tat. Hintergrund war ein Streit vor einer Diskothek am Alexanderplatz im Oktober 2013. Schon kurz nach dem Vorfall war die Polizei von einer V-Person über die tödlichen Racheplänen informiert worden. Doch die Fachermittler veranlassten offensichtlich nichts, um Tahir Ö. zu schützen. Bei einer Pressekonferenz am 25. Januar hatte LKA-Chef Christian Steiof gesagt, die Polizei habe ihn nicht gewarnt, weil sie davon ausgegangen sei, dass der Mann sich im Ausland aufgehalten habe.

Doch die internen Ermittlungen ergaben, dass der LKA-Chef von seinen Mitarbeitern falsch informiert worden war. Durch mindestens ein abgehörtes Telefonat war bereits klar, dass sich Tahir Ö. längst wieder in Berlin aufhielt. Ob die Fachbeamten schlampig gearbeitet haben oder ihren Chef vorsätzlich falsch informierten, wird nun auch geprüft.

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