Prävention : Aktion gegen Gewalt startete nach Fahrplan

Die Übergriffe auf Busfahrer häufen sich. In Spandau gibt es eine Initiative, die dem entgegenwirken will: Jugendliche gehen mit Polizisten auf Streife im Nahverkehr. Am Freitag war der erste Testlauf.

Rainer W. During

„Macht nichts, was euch selbst gefährden könnte“, ermahnte Raed Saleh die Jugendlichen, bevor sie sich mit den begleitenden Polizisten in zwei Teams aufteilten. Unter dem Motto „Stark ohne Gewalt on Tour“ startete am Freitag die neue Initiative des Spandauer Anti-Gewalt-Projekts. Frierend, aber voller Elan, standen Tugba (15) und Hala (16) dann an der Bushaltestelle vor dem Spandauer Rathaus. Im Mädchenladen, den der Bund Deutscher Pfadfinder im Neustadt-Kiez betreibt, hatten sie von der Aktion erfahren. Gemeinsam mit Daniel (20) sind sie neu in der Initiative des Spandauer SPD-Abgeordneten Saleh, die sich inzwischen zu einem Verein entwickelt hat. Jugendliche in grauen Sweatshirts mit der Aufschrift „Stark ohne Gewalt“ gehen mit Polizisten auf Kiezstreife und sollen auch in Bussen mitfahren, um Übergriffe zu verhindern.

Mio (33) ist als Koordinator schon länger dabei. „Als Jugendlicher habe ich durch meine Kumpels selbst erlebt, was geschieht, wenn man zu viel Gewalt zeigt“, sagte der Spandauer. Polizeihauptmeister Andreas Baur gehört seit dem vergangenen Jahr zum Präventionsteam des Abschnitts 21, das die Jugendlichen begleitet. „Der Busfahrer sitzt wehrlos in seinem Käfig im 45-Grad-Winkel zum Täter“, beschrieb er gestern die Situation. Ihn anzugreifen, gehöre „zum Feigsten, was es gibt“, sagte der Beamte.

Der Zeitpunkt für den gestrigen Start der Aktion war ungünstig gewählt. Die meisten Jugendlichen hatten den Heimweg von der Schule schon angetreten oder vergnügten sich noch auf den umliegenden Weihnachtsmärkten. So fanden Tugba, Hala und Daniel wenig Gleichaltrige, denen sie eine Postkarte mit dem Vereinsmotto und eine CD mit Anti-Gewalt-Songs in die Hand drücken konnten. Die wurden ebenfalls von Spandauer Jugendlichen komponiert. Da heißt es zum Beispiel: „Ich tu keinem andern weh, nur weil ich ihn nicht versteh‘“.

In die Busse stieg das Team zunächst nicht, denn es fehlte offensichtlich an Fahrgästen aus der Zielgruppe. „Beim nächsten Mal werden wir wohl eine andere Uhrzeit wählen“, sagt Andraes Baur. Von Januar an soll es wöchentlich Busstreifen geben.

„Sinn und Zweck dieser Aktionen ist es auch, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen zu erarbeiten“, sagte der Polizeibeamte. Bei der vergangenen Kiezstreife am Lindenufer habe das mit einer Gruppe russischstämmiger Jugendlicher „richtig gut“ funktioniert. Der Klimawechsel, den Raed Saleh mit seiner Initiative anstrebt, hat zumindest in einigen Bereichen des Bezirks bereits begonnen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben