Prenzlauer Berg : 20-Jähriger schickte Kind zum Dealen

Ein staatenloser Mann hat am S-Bahnhof Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg ein Kind zum Dealen geschickt. Beamte konnten den Hintermann des Jungen auf frischer Tat fassen.

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Der Rauschgifthändler schob ein Kind vor. Während der 13-jährige Hassan mit Heroin-Kügelchen im Mund am S-Bahnhof Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg auf Kunden wartete, beobachtete Houssein E.-Y. das schmutzige Geschäft. Das Dealerkind hatte 554 Euro in der Tasche, als es am 27. April von Polizisten erwischt wurde. Am nächsten Tag war der Junge wieder da. Unbeirrt wollten er und der Händler erneut Heroin verkaufen. Doch diesmal konnten Beamte den Hintermann des Jungen auf frischer Tat fassen.

Was die Polizisten beobachtet hatten, führte am Dienstag zu einem Prozess vor einem Jugendgericht. Ob der 20-jährige Houssein E.-Y. bereits zuvor ein Kind, das strafrechtlich nichts zu befürchten hat, mit Heroin auf die Straße geschickt hatte, blieb offen. Hassan (Name geändert), der nach den Taten in einer Jugendeinrichtung untergebracht wurde, verlor kein Wort über den Drogenhandel und wurde auch nicht als Zeuge geladen. E.-Y. entschloss sich angesichts der Beweislage zu einem pauschalen Geständnis. „Die Vorwürfe treffen zu“, erklärte der Verteidiger des staatenlosen Mannes. Die kriminelle Karriere von Houssein E.-Y. könnte begonnen haben wie die des 13-jährigen Hassan. E.-Y. war 15 Jahre alt, als er beim Dealen geschnappt und verhaftet wurde. Wegen bandenmäßigen Rauschgifthandels bekam er eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Bis November 2007 saß er im Gefängnis. Danach zog er in ein Wohnheim in Mitte und erhielt staatliche Unterstützung.

Dealende Kinder machten in jüngster Zeit Schlagzeilen. Ein Elfjähriger wurde innerhalb kurzer Zeit elfmal beim Drogenhandel erwischt. Als Kind hat er strafrechtlich nichts zu befürchten. Es entbrannte eine Debatte darüber, wie strafunmündige Dealer untergebracht werden sollen. Innensenator Erhart Körting (SPD) sagte im Tagesspiegel, er wolle Heime, aus denen die Kinder nicht weglaufen könnten, „aber keine Kinderknäste“. Das Problem seien aber nicht einzelne Minderjährige, die allein und illegal nach Berlin eingeschleust wurden, sondern die Sprösslinge aus Großfamilien libanesisch-kurdischer Herkunft.

Houssein E.-Y. hatte bei seiner Festnahme am S-Bahnhof auch selbst fünf Drogenkügelchen im Mund. Vermutlich wollte er sie Hassan zustecken, sobald sich ein Handel anbahnte. Die Strafe fiel deutlich aus: zwei Jahre Gefängnis.

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