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Prenzlauer Berg : Kinderwagen-Brandstiftungen: Verdächtiger festgenommen

In Prenzlauer Berg hat die Polizei am frühen Freitagmorgen einen 29-Jährigen festgenommen. Er soll in einem Wohnhaus in der Winsstraße zwei Kinderwagen in Brand gesteckt haben.

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Die verbrannten Reste eines Kinderwagens in Prenzlauer Berg. Den mutmaßlichen Brandstifter hatte die Polizei im August gefasst. Fünf Monate später erhob der Staatsanwalt Anklage. Ein 29 Jahre alter Zeitungsausträger aus Neukölln hatte gestanden, aus "Schwabenhass" Kinderwagen in Brand gesteckt zu haben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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06.01.2012 19:08Die verbrannten Reste eines Kinderwagens in Prenzlauer Berg. Den mutmaßlichen Brandstifter hatte die Polizei im August gefasst....

Bei dem Festgenommenen handele es sich um einen Zeitungsausträger aus Neukölln, teilte die Polizei mit. Der 29-Jährige hatte bereits die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich gezogen und wurde deshalb in der vergangenen Nacht beobachtet, nachdem er seine Zeitungslieferung entgegengenommen hatte.

Laut Polizeiangaben folgten ihm Zivilpolizisten, während er seine Route durch den Kiez absolvierte. Jeder Hausflur wurde von den Zivilpolizisten kontrolliert. In einem Haus in der Winsstraße hielt sich der Beobachtete längere Zeit auf. Nachdem er das Gebäude wieder verlassen hatte und in die Heinrich-Roller-Straße abgebogen war, entdeckten die Beamten die brennenden Kinderwagen, informierten die Kollegen und versuchten, mit Feuerlöschern den Brand zu ersticken.

In der Heinrich-Roller-Straße klickten dann kurz darauf die Handschellen. Der Festgenommene hatte ein Einwegfeuerzeug dabei. Er wurde nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung den Ermittlern des zuständigen Brandkommissariates des Landeskriminalamtes überstellt. Inwieweit der Mann auch für Brandlegungen an Kinderwagen in der Vergangenheit in Frage kommt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Am Nachmittag lief noch die Vernehmung des Mannes durch die Ermittler vom LKA. Später soll entschieden werden, ob ein Haftbefehl beantragt wird. Für wie viele Brände der 29-Jährige insgesamt im Verdacht steht, wollte die Polizei am Freitag noch nicht sagen. Als Zeitungszusteller hatte der Mann zu Dutzenden Häusern im Bezirk Zugang. In der Gegend hatte es immer wieder trotz verschlossener Türen gebrannt.

Wie die Ermittler auf den Verdächtigen aufmerksam wurden, wollten sie „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht verraten. Sicher ist nur, dass es die erste Nacht war, in der Zivilpolizisten den Verdächtigen auf Schritt und Tritt überwacht und auch gleich ertappt haben.

Häufig verraten Brandstifter sich selbst, indem sie am Tatort bleiben und vorgeben, beim Löschen zu helfen oder sie kehren zurück, um sich „ihr Werk“ anzusehen. Die Polizei ist daher speziell geschult, auf verdächtige Schaulustige und besonders engagierte Helfer zu achten.

Inwieweit der Mann auch für Brandlegungen an Kinderwagen in der Vergangenheit in Frage kommt, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

In Berlin kommt es seit Monaten regelmäßig zu Bränden in Hausfluren. Nach Polizeiangaben der Polizei gab es zwischen Januar und Mai bereits 163 Brände in Hausfluren, bei denen zum Teil Mieter Rauchvergiftungen erlitten und hoher Sachschaden entstand. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es insgesamt 144 Brandstiftungen.

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