Prostitution : Klubbetreiber machte Jungen mit Alkohol gefügig

Wegen Menschenhandels und sexuellen Missbrauchs muss sich der Betreiber einer Kreuzberger Lokals vor Gericht verantworten. Er vermittelte Jungen im Alter von 15 und 16 Jahren an diverse Freier und ließ sie in seinem Klub Striptease tanzen.

Kerstin Gehrke

BerlinJungen tanzten halb nackt auf den Tischen. Es gab für Minderjährige Alkohol bis zum Umfallen, um sie gefügig zu machen. Schüler wurden gegen Geld an Freier verkuppelt. Als Marcus E. das Lokal „Jayson’s“ in Kreuzberg betrieb, gehörte das fast schon zum Alltag. „Die Dinge haben sich verselbständigt“, sagte der 40-Jährige Montag vor Gericht. Die Richter müssen auch prüfen, ob gegen den einschlägig vorbestraften Mann Sicherungsverwahrung anzuordnen ist.

Pornofilme liefen, Alkohol wurde ausgeschenkt

Der Wirt muss sich wegen Menschenhandels sowie wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen verantworten. Es geht um insgesamt zehn Jungen. In den Sommerferien 2007 vermittelte er laut Anklage drei 15 und 16 Jahre alte Schüler an verschiedene Freier. Die sieben weiteren Opfer waren 13 bis 17 Jahre alt. An ihnen habe er sich seit Januar 2006 vergangen. Er ließ Pornofilme laufen und schenkte Alkohol aus, um ihnen die Hemmungen zu nehmen.

Der Angeklagte und der Aids-infizierte Frank R., der zu den Stammgästen des „Jayson’s“ gehörte, wurden nach monatelangen Ermittlungen im Juni verhaftet. Zu den Vorwürfen schwieg E. damals. Doch die Beweislage ist erdrückend. Der teilgeständige Frank R. wurde kürzlich zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Nun gestand auch der Ex-Wirt, der das „Jayson’s“ gemeinsam mit einem Partner im Mai letzten Jahres eröffnet hatte.

"Ich profitierte davon"

Dass die Bar früher mit der homosexuellen Szene zu tun hatte, wussten die neuen Betreiber. Angeblich wollten sie in eine andere Richtung. „Es sollte eine Shisha-Bar werden“, sagte der Angeklagte. Tatsächlich wurde mit einem Ambiente im orientalischen Stil geworben. Es gab viel Plüsch und Wasserpfeifen. „Doch wir wurden von der Dynamik der Dinge überrannt“, sagte der Ex-Wirt. Sie hätten „nicht genau auf die Eingrenzung des Alters“ ihrer Gäste geachtet.

Im Geständnis erklärte er unumwunden: „Ich profitierte davon. Das Lokal machte wesentlich höhere Umsätze.“ Und um die Stimmung in der Bar anzuheizen, ließ er Falk, Julius und Steve (Namen geändert) einen Striptease vorführten. Von den Geldern, die ihnen Gäste zusteckten, bekam auch der Wirt seinen Anteil. Er trat als Fotograf auf, versprach Jungen Model-Verträge und lockte sie in seine Falle. Er neige „wohl eher den Homophilen zu, aber ich stehe keinesfalls auf Kinder“, sagte der Angeklagte. 

Schon 2003 wurde gegen den Angeklagten ermittelt

Marcus E. hatte bis Mitte 1994 Karriere in der Bundeswehr gemacht. Doch nach einer Verurteilung wegen Drogenhandels wurde der Oberleutnant entlassen. Er arbeitete dann mit Jugendlichen, bis es im März 2003 zu einem Prozess wegen Förderung der Prostitution kam. Er hatte in Hamburg einen Minderjährigen an einen Freier vermittelt. Seit April 2006 lebt er in Berlin. Der Prozess wird Donnerstag fortgesetzt.

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