Prozess : 14 Jahre Haft für Mord an Obdachlosem

Er zertrümmerte einem 42-jährigen Obdachlosen den Schädel mit einer Axt und zerstückelte die Leiche: Nun wurde der Germanistikstudent wegen Mordes zu knapp 14 Jahren Haft verurteilt.

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Das Landgericht hat eines der schrecklichsten Verbrechen in Berlin seit der Wiedervereinigung mit einer hohen Strafe geahndet. Die 29. Große Strafkammer wertete die Tötung des Obdachlosen Jochen G. als heimtückischen Mord und verurteilte am Mittwoch den Germanistikstudenten Mario Z. zu 13 Jahren und zehn Monaten Haft. „In seiner Grausamkeit weicht das Opferbild deutlich von anderen Taten ab“, sagte die Vorsitzende Richterin, Angelika Dietrich, in der Urteilsbegründung. Dietrich verglich den Fall sogar mit dem Hitchcock-Thriller „Psycho“, in dem ein junger, unauffälliger Mann mehrere Menschen umbringt.

Mario Z. (28) hatte in der Nacht zum 30. August 2009 in seiner Wohnung in Schöneberg den 42-jährigen Obdachlosen mit einer Art Henkersbeil erschlagen, auf die Leiche eingestochen und sie dann zerstückelt. Kopf und Torso brachte der Täter zu einem Bahngelände in Schöneberg, die abgetrennten Gliedmaßen deponierte er in seinem Gefrierschrank. Zwei Tage nach dem Mord stellte sich Mario Z. der Polizei und führte sie zu den Leichenteilen auf dem Areal der Bahn.

Warum der Student den wehrlosen Jochen G. tötete, bleibt allerdings offen. „Ein eindeutiges Motiv für die Tat ist nicht sicher feststellbar“, sagte Richterin Dietrich. Deshalb falle das Mordmerkmal der niederen Beweggründe weg. Die Staatsanwaltschaft hatte Mario Z. vorgeworfen, er habe „einen perfekten Mord“ begehen wollen. Die Anklage stützte sich auf die Angaben eines mit Z. bekannten Studenten, der Anfang 2009 ein bizarres Gespräch über einen perfekten Mord an einem Obdachlosen mit dem späteren Täter geführt haben will. Die Aussage des Zeugen im Prozess hält die Strafkammer jedoch für „Gedankenspiele“, die durch die Presseberichte über den Fall beeinflusst sein könnten und bei der Aufklärung „keine Hilfe“ gewesen seien.

Die Richter widersprachen auch in einem zweitem Punkt der Anklagebehörde, doch diesmal profitierte sie davon. Staatsanwalt Jörg Wetzel hatte in seinem Plädoyer am Montag das in der Anklageschrift genannte Mordmerkmal der Heimtücke aufgegeben, da sich der Obdachlose gegen den ersten, tödlichen Hieb mit dem Beil gewehrt haben könnte. Wäre das Gericht dieser Argumentation gefolgt, hätte es kein einziges Mordmerkmal mehr feststellen und Mario Z. nur wegen Totschlags verurteilen können – wie es sein Verteidiger Matthias Zieger beantragt hatte. Doch die Heimtücke sei „sicher festgestellt“, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Obdachlose sei „völlig arglos“ gewesen, als er sich in der Wohnung von Z. auf die als vermeintliches Nachtlager angebotene Klappcouch legte. Das Opfer habe sich sicher gefühlt und geglaubt, „als Freund aufgenommen zu sein“. Der Obdachlose sei über die seltene Zuwendung glücklich gewesen. „In dieser Situation schlug ihm der Angeklagte den Kopf ein“, sagte Dietrich, „mit unbedingtem Tötungswillen“.

Die Kammer konnte jedoch nicht ausschließen, dass Mario Z. zur Tatzeit angetrunken und nicht mehr vollkommen steuerungsfähig war. So entging der Student einer Verurteilung zu lebenslanger Haft, wie sie der Staatsanwalt gefordert hatte. Dietrich betonte aber, Z. habe keineswegs im Vollrausch gehandelt. Gegen Vollrausch spreche „das Leistungsverhalten“ des Angeklagten bei der Tat, von den Schlägen mit dem Beil über die Zerstückelung bis zum Ablegen von Leichenteilen auf dem Bahngelände. Dietrich hielt ihm außerdem zugute, sich gestellt und der Polizei geholfen zu haben, Kopf und Torso zu finden, so dass der Obdachlose „nicht wie ein Hund verscharrt blieb und begraben werden konnte“.

Staatsanwalt Wetzel zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Verteidiger Matthias Zieger kündigte Revision an. Außerdem will er seinem Mandanten helfen, im Gefängnis eine sozialtherapeutische Behandlung zu bekommen. Für Mario Z. ist die Strafe bereits die zweite, die er absitzen muss. Der Student war 2006 wegen schwerer räuberischer Erpressung verurteilt worden und stand zum Zeitpunkt des Mordes an Jochen G. noch unter Bewährung. Mario Z., der vor dem Prozess behauptet hatte, er habe den Obdachlosen in einem Streit um Wechselgeld für Bier erschlagen, nahm den Richterspruch reglos auf. Das Gesicht blieb maskenhaft, so wie nahezu an jedem Tag im Gericht seit Beginn des Prozesses am 8. März.

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