Prozess : 20-Jähriger nach Angriff mit Nagelbrett vor Gericht

Weil ein Mann seine Freundin beleidigt haben soll, rastete Arno I. aus. Die Staatsanwaltschaft stuft den Angriff als versuchten Totschlag ein.

Der Angeklagte musste nicht lange überlegen, als er nach Gründen für seine Gewaltausbrüche gefragt wurde. „Wenn mich jemand blöd anmacht, weiß ich mich zu wehren“, sagte Arno I., ein 20-jähriger Mann mit kräftigen Oberarmen und etlichen Vorstrafen. „Ich lasse mir eben nichts gefallen.“ Wenn ihn jemand anstarre, fühle er sich eben provoziert. Seit gestern steht er vor Gericht, weil er einen Mann mit einem Nagelbrett auf den Kopf schlug. Angeblich hatte das Opfer seine Freundin beleidigt.

Arno I. aus Schöneberg beschäftigt Polizei und Justiz seit etwa sechs Jahren. Es bemühten sich Sozialarbeiter um ihn, später Bewährungshelfer. Ihnen gegenüber war er umgänglich, hinterließ einen guten Eindruck und kam immer wieder mit Bewährungsstrafen davon. Erteilten ihm Gerichte Auflagen, erfüllte er diese pflichtbewusst. Auch vor sieben Monaten, als er in Kreuzberg mit einer Holzlatte auf einen Mann einschlug, besuchte er gerade ein Anti-Aggressionstraining.

Am 29. April bekam Arno I. einen Anruf von seiner Freundin. Sie berichtete ihm, dass sie an einem Kiosk beleidigt worden sei. „Da ist bei mir ’ne Bombe explodiert“, sagte der Angeklagte. Er fuhr zu ihr und sah auf der Straße zufällig den Mann, den die 19-Jährige beschuldigt hatte. „Ich war so wütend, nahm eine Latte und schlug zu“, gestand der Angeklagte. Dass in dem Holz ein Nagel steckte, will er nicht gesehen haben. „Ich wollte dem eine Abreibung verpassen, ihn aber nicht töten.“

Als Arno I. dann in Untersuchungshaft saß, gelang ihm ein Täuschungsmanöver. „Ich habe gesagt, dass ich Stimmen höre, habe auf Macke gemacht.“ Er kam in die Psychiatrie. „Ich dachte, ich mache eine Therapie und kriege eine milde Strafe“, gab der Angeklagte mit breitem Grinsen zu. Doch Ärzte verordneten ihm Tabletten. Er bekam es wohl mit der Angst zu tun: „Nach knapp zwei Wochen habe ich reinen Tisch gemacht.“

Die Staatsanwaltschaft stuft den Angriff mit der Latte, die mit mindestens einem Nagel besetzt war, als versuchten Totschlag ein. Das Opfer, ein 28-jähriger Zimmermann, erlitt schwere Kopfverletzungen. Er wird nicht mehr in seinem Beruf arbeiten können. Zudem verlor er den Geruchs- und Geschmackssinn. Der Prozess geht am 4. Dezember weiter. K.G.

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