Prozess : Anwälte fordern Haftentlassung nach Mai-Krawallen

Polizeibeamte haben ihre Angaben im Prozess gegen Rigo B. (17) und Yunus K. (19) wegen Mordversuchs bei den diesjährigen Mai-Krawallen in Kreuzberg bekräftigt. Die Aussagen sind von zentraler Bedeutung. Aus Sicht der Verteidigung aber sind sie wertlos.

Kerstin Gehrke

Berlin - Zwei Polizisten wollen den Werfer der Brandflasche und seinen Begleiter genau beobachtet haben. Die Beamten haben ihre Angaben im Prozess gegen Rigo B. (17) und Yunus K. (19) wegen Mordversuchs bei den diesjährigen Mai-Krawallen in Kreuzberg bekräftigt. Die Aussagen sind von zentraler Bedeutung. Aus Sicht der Verteidigung aber sind sie wertlos. Es würden „ganz erhebliche Zweifel“ an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugen bestehen. Nach zweimonatiger Verhandlung forderten die Anwälte die Freilassung ihrer Mandanten.

14 Punkte listete Verteidigerin Christina Clemm auf. „Gegen die Aussagen der Zeugen B. und G. spricht“, hieß es immer wieder. Zwischen den Angaben der Beamten würden erhebliche Widersprüche bestehen. Dies beginne bereits beim Tatort. Dass es sich bei den Zeugen um erfahrene Polizisten handle, die besonders für die Observation zuständig sind, könne ihre Aussagen nicht stützen.

Die Angeklagten sitzen seit mehr als sechs Monaten in Untersuchungshaft. Sie sollen einen Molotowcocktail in Richtung Polizei geworfen haben. Bei dem Angriff wurde eine Passantin getroffen. Sie erlitt schwere Brandverletzungen. Die Schüler beteuerten ihre Unschuld sofort nach der Festnahme und auch im Gerichtssaal. Ihre Verteidiger gehen von einer Verwechslung aus. Die wahren Täter gehörten aus ihrer Sicht vermutlich zu einer Vierer-Gruppe, die von zwei Studenten fotografiert wurde. Einer der Männer auf dem Foto trug ein weißes T-Shirt und ein schwarzes Basecap wie Rigo B. in jener Nacht.

Ein Urteil ist nicht in Sicht. Scharf kritisierte auch die Anwältin von Rigo B. die andauernde U-Haft: „Er wird in seiner schulischen Ausbildung behindert und zurückgeworfen und schleichend entsozialisiert.“ Wann das Gericht über die Aufhebung der Haftbefehle entscheiden wird, blieb zunächst offen.

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