Prozess : „Aus Gier und Hass“

Prozessauftakt gegen 40-jährigen Volkswirt: Er soll einen Mord in Auftrag gegeben haben. Doch sein Komplize verriet den Angeklagten an die Polizei. Die konnte Schlimmeres verhindern.

Kerstin Gehrke

Es war ein verurteilter Mörder, der die Ermittlungen ins Rollen brachte. In dem Krimi, von dem Andreas D. den Beamten berichtete, ging es um das große Geld, um Erpressung eines Unternehmers und einen angeblich geplanten Mord. Was sich zunächst abenteuerlich angehört haben mag, führte zu einem dringenden Tatverdacht und bereits am nächsten Tag zu einer Festnahme. Ulrich T., ein 40 Jahre alter Diplom-Volkswirt, sitzt seit gestern wegen versuchter Anstiftung zum Mord auf der Anklagebank.

Kopfschüttelnd hörte T. die Vorwürfe. Er soll im April letzten Jahres begonnen haben, den Vorstandschef eines börsennotierten Unternehmens aus der Immobilienbranche zu erpressen. Bei der Firma war der Anklagte für einige Monate als Finanz-Controller tätig. Nach der Probezeit soll man sich allerdings getrennt haben. Das war drei Monate vor der mutmaßlichen Erpressung. Er soll 6,3 Millionen Euro verlangt haben. „Bis Donnerstag ist das Geld auf dem Konto, sonst knallt es“, kündigte er laut Anklage an. T. soll gedroht haben, ansonsten mit angeblichen Unregelmäßigkeiten in der Firma an die Öffentlichkeit zu gehen.

Das Unternehmen zahlte nicht. Die Ermittler gingen später davon aus, dass es frei erfundene Vorwürfe waren. T. aus Wilmersdorf soll in seiner Geldgier und aus „persönlichem Hass“ gegen den Vorstandschef einen Killer gesucht haben. Vier Mal habe er sich mit D. getroffen. Der 50-Jährige war 1989 wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt worden. T. soll ihm die Adresse des potenziellen Opfers gegeben und ihn über dessen Gepflogenheiten informiert haben.

Der gedungene Komplize sollte den Manager überwältigen, entführen und erpressen. Dafür seien 500 000 Euro als Belohnung versprochen worden. Weitere 50 000 Euro habe T. für die Tötung der Geisel in Aussicht gestellt. „Erwarte sechs Millionen“, soll der Angeklagte im Januar seiner Bank mitgeteilt haben. Doch es kam die Polizei. Für den 2. Juli wird eine Aussage von T. erwartet.

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