Prozess : Bankkauffrau verjubelte Kundengelder

Wenn der Mann ein neues Auto wollte, dann bekam er das. Geld schien für Bankkauffrau Waltraut K. kein Problem zu sein. Sie wollte ihrem 19 Jahre jüngeren Gatten etwas bieten. Rund eine Million Euro hat sie laut Anklage veruntreut.

„Ich habe ihn geliebt, wollte schön mit ihm leben, ihn natürlich auch halten“, sagte sie gestern vor Gericht. Ihre Großzügigkeit aber hatte einen kriminellen Haken: Die damalige Vermögensberaterin der Deutschen Bank hatte jahrelang Konten von drei Kunden geplündert. Insgesamt 1,1 Millionen Euro soll sie verjubelt haben.

Die 59-Jährige konnte den Mann und auch ihren Lebensstil nicht halten. Geschieden und verschuldet saßen Waltraut K. und Abdelmajid A. auf der Anklagebank. Sie wegen Untreue, ihm wirft die Staatsanwaltschaft leichtfertige Geldwäsche vor. Die Bankkauffrau aus Prenzlauer Berg gestand, der inzwischen mit einer anderen Frau verheiratete Betriebswirt bezeichnete sich als unschuldig.

„Mit eigenem Geld konnte ich nie so richtig umgehen“, erklärte die Frau. Nach einem Autounfall hätten sich Schulden angehäuft. „Als ich in Not kam, nahm ich 5000 Mark.“ Das war 1997. Zwei Jahre zuvor hatten sie den Marokkaner A. geheiratet. Er war damals noch Student. „Ich spielte ihm die reiche Frau vor.“ Das Geld holte sie sich von Kundenkonten. Betroffen waren unter anderem eine Ärztin im Ruhestand und ein hochbetagter Lotto-Millionär.

„Es hat sich verselbständigt“, sagte die Angeklagte. „Ich habe gebucht, mein Ex-Mann hat mir vertraut – wie die Kunden auch.“ Sie hätte A., der inzwischen als Buchhalter arbeitet, nicht als Kunden betreuen dürfen. Doch der Schwindel fiel in der Bank nicht auf. Abdelmajid A. will von der Abzockerei seiner damaligen Frau nie etwas bemerkt haben. Sie habe sich um Geldangelegenheiten gekümmert. Und das viele Geld? „Ich ging immer von Depotgewinnen aus.“ Von der Million ist wenig geblieben. „Wir hatten einen teuren Lebensstil“, sagte die Bankkauffrau. Mit Dachgeschosswohnung, Wassergrundstück, drei Urlaubsreisen im Jahr. Der Prozess wird am 7. Mai fortgesetzt. K.G.

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