Prozess : Bewährung für Morddrohung an Kreuzberger Berufsschule

Mit der Drohung, "jemanden umzubringen", löste ein 22-Jähriger vergangenes Jahr die Evakuierung eines Kreuzberger Oberstufenzentrums und einen Großeinsatz der Polizei aus. Trotz Vorstrafen blieb das Amtsgericht Tiergarten bei einer Bewährungsstrafe.

BerlinWeil er an seiner ehemaligen Berufsschule mit Morddrohungen auffallen wollte, ist ein 22-Jähriger vom Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sprach den Verkäufer am Mittwoch wegen Störung des öffentlichen Friedens schuldig. Er hatte im Mai vorigen Jahres an einem Oberstufenzentrum in Kreuzberg mit der Drohung "jemanden umzubringen", Schüler in Panik versetzt und einen Großeinsatz der Berliner Polizei ausgelöst. 2000 Schüler mussten damals evakuiert werden.

Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, dass solch eine Äußerung gefallen war. Der Angeklagte habe allerdings keine solche Tat geplant und sei selbst von den Folgen seines Tuns überrascht gewesen, so die Richter.

Spontaner Einfall mit dramatischer Wirkung

Der Mann war den Angaben zufolge am 20. Mai vorigen Jahres gegen 8.45 Uhr auf dem Schulgelände erschienen, um seine Freundin abzuholen. Auf der Suche nach dem Klassenzimmer war er mit drei Schülern auf dem Hof ins Gespräch gekommen. Der ehemalige Schüler des Oberstufenzentrums habe plötzlich das "Bedürfnis verspürt, sich negativ über die Schule zu äußern", hieß es. Er habe zunächst über Probleme mit einer früheren Mitschülerin berichtet und erklärt, dass er zum "Schutz etwas dabei hat und jemanden umbringen wird". Als die Schüler darüber lachten, habe er ihnen den Griff einer Pistole gezeigt, die er bei sich trug. Daraufhin hatten Schüler den Vorfall beim Direktor gemeldet, der die Polizei informierte.

Der Angeklagte hatte ausgesagt, die Softairwaffe mitgenommen zu haben, weil er "cool" wirken wollte. Er stand damals unter Bewährung und ist bereits wegen Raubes und Körperverletzung vorbestraft. Dennoch hielt das Gericht eine erneute Bewährungsstrafe für ausreichend. Mit einer Softairpistole seien keine gravierenden Verletzungen zu erwarten gewesen. Um einen Teil des kostspieligen Polizeieinsatzes zu übernehmen, muss der 22-Jährige zudem 2400 Euro an die Justizkasse zahlen. (jnb/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar