Prozess : Eltern sollen Zwillingsbabys misshandelt haben

Ein Elternpaar steht vor Gericht, weil ihre Säuglinge mit Hämatomen übersät waren. Beide beteuern ihre Unschuld.

von

Zu früh und zu klein sind die Zwillinge auf die Welt gekommen. Erst einen Monat später konnten die Eltern aus Spandau ihre Babys mit nach Hause nehmen. Nur zehn Tage später mussten sich erneut Ärzte um Julia und Maxim kümmern: Ihre Körper waren übersät mit Hämatomen. „Wir würden unseren Kindern nie etwas antun“, versicherten die Eltern damals und beteuerten es auch am Montag vor Gericht. Man glaubte ihnen nicht.

Die Spuren von „stumpfer äußerer Gewalt“ waren unterschiedlich gefärbt: blau-grau, blau-violett, ein Fleck auch gelb. Eine Gutachterin ging von einem Zeitraum von zwei bis vier Tagen aus. Die Unterblutungen waren teilweise streifenförmig – entstanden durch „Schläge mit einem länglichen Gegenstand“, hieß es in der Anklage. Zudem sollen Julia und Maxim (Namen geändert) an den Beinen heftig „gezogen oder geschleudert“ worden sein. Bei beiden wurden am Oberschenkel Kantenabrisse festgestellt.

„Ich kann mir immer noch nicht erklären, wie es zu Verletzungen gekommen ist“, sagte die 27-jährige Nicole S. In einer früheren Aussage der Mutter hieß es, sie habe zuerst gedacht, dass „die Windeln zu fest zugezogen“ wurden. Sie und Oliver M., der 33-jährige Vater, hätten sich ständig um die Kinder gekümmert. In der Klinik soll er von „möglicherweise ein bisschen derb angefasst“ gesprochen haben. Im Prozess um Misshandlung von Schutzbefohlenen beteuerten sie ihre Unschuld und Liebe zu ihren Kindern.

Nach dem Wochenende im November 2008 hatten die Eltern einer Hebamme, die die Kinder damals betreute, sofort die Hämatome gezeigt. Die Zwillinge kamen nach zehn Tagen im Krankenhaus in eine Pflegefamilie, wo sie bis heute leben. Die Eltern halten den Kontakt zu den Zwillinge, hieß es. An deren Verantwortung hatte das Gericht keine Zweifel. „Nur sie hatten Zugang zu den Kindern“, sagte die Richterin. „War es der eine, hat es der andere gesehen und nichts getan.“ Gegen die Eltern ergingen je 21 Monate Haft auf Bewährung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben