Prozess : Gefängnis für Schläger vom U-Bahnhof Blissestraße

Eine Videokamera half der Polizei, die Täter zu überführen. Im Urteil sprach der Richter von einer "beispiellosen Brutalität" der Schläger. Sie müssen bis zu dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Kerstin Gehrke

Die Bilder schockierten. Hemmungslos schlugen und traten zwei Angreifer auf einen jungen Mann ein, der auf einer Bank geschlafen hatte und sich nicht wehren konnte. Die Polizei fahndete mit den Videoaufnahmen einer Überwachungskamera nach den Schlägern. Elf Monate nach dem brutalen Überfall auf dem U-Bahnhof Blissestraße wurden Yücel Ö. und Oliver R. gestern verurteilt. Gegen den 22-jährigen Ö. erging eine Gesamtstrafe von dreieinhalb Jahren, der 23-jährige R. soll für zwei Jahre und zehn Monate in Haft.

30 Schläge und 14 Tritte

Ohne jeglichen Anlass sei ein junger Mann auf üble Art und Weise zu einem Opfer gemacht worden, hieß es im Urteil. Mit „beispielloser Brutalität“ habe vor allem Ö. das damals 19-jährige Opfer attackiert. „Die Aufnahmen zeigen, wie sich seine Aggressivität steigerte.“ Immer wieder habe er zugetreten. Auch als Johannes H. bereits blutete.

Nach 33 Sekunden ging H. zu Boden. Trotzdem holte Yücel Ö. erneut aus und traf ihn am Kopf. Es war eine Prügelorgie über mehrere Minuten. An die 30 Schläge und 14 Tritte trafen das Opfer. Die Täter flüchteten schließlich mit der Börse von H. „Ohne die Videoaufnahmen wäre der Fall mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht aufgeklärt worden“, sagte der Vorsitzende Richter.

Frust und Alkohol machten die Täter gefährlich

Frust und Alkohol ließen Ö. und R. an jenem frühen Morgen derart gefährlich werden. „Sie hatten einen unerfreulichen Abend hinter sich, hatten getrunken und waren unzufrieden mit ihrem Leben“, hieß es im Urteil. Ö. habe Johannes H., der müde auf einer Bank saß und auf die nächste Bahn wartete, sofort als mögliches Opfer ausgemacht und ihm einen „Wischer“ verpasst. Als den Angreifern dann auch noch ihr Zug wegfuhr, nahm die Gewalt ihren Lauf.

Die beiden Schläger hatten die Vorwürfe zugegeben, sich aber auf Erinnerungslücken berufen. „Als ich dann die Bilder gesehen habe, war ich schockiert“, erklärte Ö. Erst da habe er begriffen, dass er und sein Kumpel keineswegs vom Opfer provoziert wurden und dass Johannes H. keine Chance hatte.

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