Prozess : Geiselnehmer vom Hauptbahnhof muss in Psychiatrie bleiben

Der Geiselnehmer wird nicht bestraft: Der Mann, der vor einem Kellner im Berliner Hauptbahnhof wild mit einem Messer herumfuchtelte, litt unter Verfolgungswahn. Er ist daher schuldunfähig.

geiselnahme
Geiselnahme im Hauptbahnhof. Der Täter litt an einer Psychose. -Foto: dpa

BerlinSechs Monate nach der Geiselnahme am Berliner Hauptbahnhof hat das Berliner Landgericht am Mittwoch für den Beschuldigten die weitere Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 27-Jährige aufgrund einer akuten Psychose zur Tatzeit schuldunfähig war und daher wegen erpresserischen Menschenraubes nicht bestraft werden kann. Unbehandelt seien von ihm weitere "erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten", hieß es zur Begründung der Unterbringung.

Im November vergangenen Jahres hatte der 27-Jährige in einem Coffee-Shop des Bahnhofs einen 34-jährigen Kellner für zwei Stunden als Geisel genommen. Dabei hatte er das Opfer mit einem Messer bedroht und von der Polizei 30.000 Euro, freies Geleit sowie ein Flugzeug und ein Handy verlangt. Für den Vorwurf des versuchten Totschlags fand das Gericht keine Anhaltspunkte. Es sei eher ein "Rumfuchteln" mit dem Messer und kein Stich in Richtung des Opfers gewesen, hieß es.

Der Türke wird bereits seit sechs Monaten in der geschlossenen Psychiatrie betreut. Er hatte sich zur Tatzeit nach eigenen Angaben von Dritten bedroht und verfolgt gefühlt. Als er vom Coffee-Shop aus die angeblichen Verfolger sah, habe er Todesangst bekommen. Das Gericht folgte einem Gutachter, wonach der Verfolgungswahn nicht durch den "Drogenkonsum" des Mannes hervorgerufen wurde. Es sei vielmehr die "erste Episode einer psychotischen Erkrankung" gewesen, die hier zum Ausbruch gekommen sei und behandelt werden müsse. (ho/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben