Prozess : Hilflose Rentnerin von Lehrer beklaut?

Sie habe gegenüber einem Lehrer "überhaupt kein Misstrauen", bekannte heute eine 99-Jährige vor dem Landgericht. In dem Prozess ist ein inzwischen entlassener Studienrat angeklagt - er soll die Seniorin um mehr als 500.000 Euro geprellt haben.

Berlin Wegen Untreue muss sich seit heute ein 53-jähriger Lehrer vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Der suspendierte Studienrat ist angeklagt, rund 530.000 Euro vom Konto einer Rentnerin veruntreut zu haben. Der Angeklagte soll dafür eine Vollmacht der heute 99-Jährigen missbraucht haben, die ihn berechtigte, Geld vom Konto der alten Dame abzuheben, um deren Rechnungen zu begleichen.

Durch Bargeldabhebungen bis zu 7000 Euro und Geldüberweisungen bis zu 240.000 Euro wurde laut Anklage das Vermögen der seh- und gehbehinderten Frau veruntreut. Vor Gericht hat der 53-Jährige den Vorwurf bestritten und von einem "Vernichtungsfeldzug" seiner geschiedenen Frau gesprochen. Die Geschädigte, die Patientin in der Augenarztpraxis seiner Ex-Frau in Neukölln gewesen sei, habe seiner damaligen Frau das Geld "geschenkt", sagte er.

Großeinkäufe der Ex-Frau

Aus "standesrechtlichen Gründen", weil sie ihre Ärztin war, habe er aber die Vollmacht erhalten und das Geld später "transferiert". Bei der Unterzeichnung sei ein Notar dabei gewesen. Mit dem Geld habe sich seine Ex-Frau dann eine neue Praxis eingerichtet, neue Antikmöbel für das Einfamilienhaus und ein neues Auto gekauft. Auch gemeinsame Schulden über 150.000 Euro wurden seinen Angaben nach davon bezahlt.

Die 99-Jährige bestätigte im Prozess, eine "Vollmacht" unterzeichnet zu haben, weil sie "doch Geld brauchte". Sie habe "überhaupt kein Misstrauen" gehabt, weil der Angeklagte Lehrer sei. Ihren Angaben nach wollte sie, dass die Ärztin ihr Geld nach ihrem Tod bekomme. Der Prozess wird fortgesetzt. (mit ddp)

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