Prozess : Im Wahn das Messer gezückt

Einen kleinen Rempler auf der Straße, zufällig und sicher unbeabsichtigt, empfand der 22-Jährige als Angriff. Hendrik S. zog ein Messer und verletzte einen gleichaltrigen Mann tödlich.

Nur eine Woche zuvor hatte er auf einen 25-Jährigen eingestochen. Rund acht Monate nach den Angriffen in Spandau ordnete das Landgericht gestern die Unterbringung des Messerstechers in der Psychiatrie an. Hendrik S. leide unter anderem an einer wahnhaften Störung. In Freiheit würde er derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit ähnliche Taten begehen, hieß es.

Die Anklage hatte ihm Körperverletzung und Totschlag zur Last gelegt. Von diesen Vorwürfen aber musste S. aus Sicht der Richter freigesprochen werden. Er habe im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt, stand für das Gericht fest. So hatte es zuvor ein Gutachter eingeschätzt. Demnach war der psychisch kranke S., der seit seinem zwölften Lebensjahr Drogen konsumiert hat, von Verfolgungsideen getrieben, als er zum tödlichen Angreifer wurde. „Ich hätte nie gedacht, dass jemand stirbt“, hatte der kräftig gebaute Angeklagte erklärt. Er habe immer ein Messer eingesteckt, „weil die Menschen boshaft sind“. Tatsächlich aber gab es keine Notwehrsituation. Er kannte seine Opfer nicht einmal – dennoch: „Der Typ wollte mich angreifen“, glaubte der Angeklagte. Während sein erstes Opfer gerettet werden konnte, kam für den werdenden Vater Rafael P. jede Hilfe zu spät. Zwei Mal hatte S. auf ihn eingestochen. K. G.

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