Prozess in Berlin : Intensivtäter Nidal R. verweigerte Aussage

Berlins bekanntester Intensivtäter saß bereits elf Jahre in Haft. Nun muss er sich als Verkehrsrowdy, wegen Raubes und Körperverletzung verantworten. Der inzwischen 31-Jährige scheint unbelehrbar.

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Nidal R. auf der Anklagebank des Kriminalgericht Moabit in Berlin.
Nidal R. auf der Anklagebank des Kriminalgericht Moabit in Berlin.Foto: dpa

Berlins bekanntester Intensivtäter erhob sich langsam, stemmte die Hände in die Hüften und kniff die Augen zusammen. Herausfordernd bis betont gelassen wirkte er. Nidal R., der es in seiner Jugend unter dem Namen „Mahmoud“ zu trauriger Berühmtheit brachte, kennt sich aus mit der Rolle eines Angeklagten. Von seinen 31 Jahren verbrachte er bereits rund elf Jahre hinter Gittern. Ein Krimineller, der unbelehrbar scheint.

Um insgesamt 14 Vorwürfe geht es nun vor dem Landgericht - Vorfälle zwischen Januar 2012 und 30. Juni 2013. Die Anklage wirft ihm Raub, Körperverletzung, Fahrten ohne Führerschein, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Drogen und Alkohol am Steuer, Unfallflucht vor. Zuletzt soll er am Steuer eines Porsche Cayenne gesessen und sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd geliefert haben. Am Ende der Rambo-Fahrt waren sechs andere Autos demoliert und zwei Personen leicht verletzt.

R. hat in einem Prozess im Jahr 2008 den Reuigen gegeben: „Ich entschuldige mich für alles, was passiert ist.“ Und er stöhnte: „Ich bitte darum, dass man mir hilft.“ Er wolle aussteigen, ein Leben ohne Kriminalität. Auch die Anklägerin  glaubte damals an ein beginnendes „Umdenken“. Doch die Behörden bekamen Nidal R. nicht in den Griff.

Der bullige Mann mit inzwischen 18 Einträgen im Bundeszentralregister seit dem 15. Lebensjahr lehnte sich zurück. Einen Beruf habe er nicht erlernt, sagte Nidal R., der jetzt Vollbart trägt. Er soll zuletzt Hartz IV bezogen haben. Geboren in Beirut, steht in den Akten. R. widersprach: „Geboren in Berlin.“ 2004 war er nach viereinhalb Jahren Jugendhaft sofort in Abschiebehaft überführt worden. Eine Abschiebung in den Libanon aber scheiterte. Es fehlten notwendige Papiere. R.s Staatsbürgerschaft ist ungeklärt. 

Am 25. Juli 2011 war die letzte Haftentlassung. Bis Oktober 2015 steht er unter Führungsaufsicht. Nach der Crash-Fahrt im Porsche wurde R. erneut verhaftet. Er hatte laut Anklage eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Der Porsche prallte gegen ein Taxi, streifte einen Audi, traf einen Golf, einen Mini, ein Polizeiauto. Dabei und einer mutmaßlichen Rambo-Fahrt in einem BMW sei ein Schaden von rund 40 000 Euro entstanden.

„Ich möchte mich nicht äußern“, verweigerte er nun die Aussage. Ein 22-jähriger Zeuge, dem er angeblich auf dem U-Bahnhof Leinestraße eine Kette und 100 Euro geraubt haben soll, schwieg. R. konnte schließlich zufrieden der Aussage eines Freundes lauschen. Der 39-Jährige sagte, er sei auch auf dem U-Bahnhof gewesen. Es habe keine Schläge, keinen Raub gegeben. Ein „unverschämte Typ“ habe einem Mädchen Drogen angeboten. Sie hätten ihn nur weggeschubst. Der Prozess geht Freitag weiter. K.G.

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