Prozess in Berlin : Tod einer Fußgängerin: Gericht verhängt Haftstrafe für Autofahrer

Ein 70-jähriger Autofahrer hatte Anfang Februar beim Abbiegen in Rummelsburg eine 42-Jährige übersehen und tödlich verletzt. Die Strafe fällt überraschend hart aus.

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Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

Der Mann strich sich über seinen grauen Vollbart. Mit 70 Jahren saß er erstmals als Angeklagter vor Gericht. Wolf-Werner T. ist verantwortlich für den Tod einer 42 Jahre alten Frau. Sie wollte eine Straße überqueren, als die Ampel für Fußgänger auf Grün stand. T. aber fuhr in seinem 170 PS starken Auto als Linksabbieger ungebremst an die Fußgängerfurt. Er erfasste die zweifache Mutter. „Ich habe sie nicht gesehen, es war die Sonne oder ein Blackout, ich bin schuld“, gab er zu. Er schluckte, als er das Urteil hörte: ein Jahr Gefängnis.

Der Angeklagte, ein Diplom-Ingenieur im Ruhestand, wirkte fassungslos. Er hatte auf eine Geldstrafe gehofft, wie sie häufig auch nach dramatischen Unfällen im Straßenverkehr verhängt und nicht selten in der Öffentlichkeit mit Unverständnis aufgenommen werden. So musste ein 72-jähriger Autofahrer nach dem Tod eines 84-jährigen Fußgängers 1500 Euro Strafe zahlen. Bei einem 41-jährigen Opelfahrer, der einen 52-jährigen Radfahrer erfasst hatte, waren es 2700 Euro.

Fahrlässige Tötung kann mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren geahndet werden. Bei Unglücksfällen wird berücksichtigt, dass es für jeden ein Albtraum ist, unbeabsichtigt den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Im Falle von T. komme aber auch keine Bewährungsstrafe in Betracht, so der Ankläger. Weil die „Folgen seines sorgfaltswidrigen Verhaltens katastrophal sind. Der Ehemann, die Kinder, die Eltern – sie alle werden noch sehr lange leiden.“

Bisher ein Eintrag im Verkehrsregister

Es war 9.40 Uhr, als sie am 4. Februar die Marktstraße in Rummelsburg überqueren wollte. Die Frau war hell gekleidet, es schien die Sonne. Die Kreuzung war für Autofahrer, die links einbiegen wollten, gut einsehbar. T. aber nahm die Kurve spitz und erfasste die Frau mit mindestens 25 Stundenkilometern. Eine weitere Passantin entkam mit ihren beiden Kleinkindern nur knapp. 

Die 42-Jährige prallte auf die Motorhaube und erlitt tödliche Kopfverletzungen. „Der Unfall war vermeidbar“, so der Ankläger. „Obwohl die Sonne tief stand und er nichts sah, ist er ungebremst gefahren.“ Das Gericht schloss sich der Wertung an. T., der sich als einen Fahrer beschrieben hatte, der „bis dahin eher zügig anfuhr, jetzt vorsichtiger“, ist verkehrsrechtlich bislang lediglich mit einem Eintrag wegen Vorfahrtsmissachtung belastet. Er wird wohl in Berufung gehen.

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