Prozess : Iraner aus Frust angegriffen

Frust, Eifersucht und viel Alkohol hatten den Abend des Trios geprägt. Auf dem U-Bahnhof Rehberge reagierten sich Benjamin E., Sven B. und Ines B. ab. Opfer wurden zwei Iraner. Ein Gewaltexzess, den der 26-jährige E. begonnen hatte. Die Anklage fordert Haft.

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Nach den Misshandlungen und Beleidigungen der 56 und 61 Jahre alten Männer im September 2009 beantragte die Staatsanwaltschaft gestern gegen E. zwei Jahre und drei Monate Haft. Seine 24-jährige Cousine und deren 30-jähriger Freund sollen nach dem Willen der Anklägerin Bewährungsstrafen von einem beziehungsweise zwei Jahren erhalten.

Die Ermittler waren zunächst von Rassismus als Motiv ausgegangen. Doch eine „massive ausländerfeindliche Gesinnung“ bei den Tätern habe sich im Prozess nicht bestätigt, sagte die Anklägerin. Es müsse ihnen aber deutlich gemacht werden, „dass man seine Aggression nicht an Menschen abreagieren kann, die einem zufällig begegnen“. Angesichts der gewalttätigen Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr seien Strafen zu verhängen, die abschreckend wirken. Als Bewährungsauflagen für Ines B. und Sven B. verlangte die Staatsanwältin unter anderem gemeinnützige Arbeit von 100 beziehungsweise 200 Stunden.

Benjamin E., ein breitschultriger Mann mit 13 Einträgen im Strafregister, sei die Triebfeder gewesen. Er stand auf dem Weddinger U-Bahnhof und verspritzte Cola aus einer Flasche. Die beiden späteren Opfer beobachteten die Szene. E. brüllte: „Was glotzt ihr scheiß Ausländer!“ Einer der beiden Iraner wollte ihn beschwichtigen. Da schlug und trat er zu. Ines B. beteiligte sich, schließlich auch Sven B. Er sei jedoch „mehr Mitläufer“ gewesen, sagte die Anklägerin.

Ihre Opfer leiden bis heute unter den Folgen. Der 56-jährige Wissenschaftler K. erlitt einen mehrfachen Schulterbruch. Der 61-jährige ehemalige Lehrer P. wurde bewusstlos geschlagen. Bis heute quälen ihn Schlafstörungen.

Die drei Angeklagten haben sich im Prozess geständig gezeigt – Benjamin E. aus Sicht der Anklägerin allerdings nicht mit voller Reue. Er und seine Mittäter sprachen im Prozess von Alkohol und konsumierten Drogen, beriefen sich zum Teil auf Erinnerungslücken, entschuldigen sich kleinlaut. Sie wollen zahlen. Insgesamt 9000 Euro Schmerzensgeld sollen ihre Opfer bekommen. Die Verteidiger plädierten auf Bewährungsstrafen. Das Urteil soll Mittwoch verkündet werden.

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