Prozess : Krankenkasse sollte Rauschgift zahlen

Im Prozess um die tödlichen Therapiesitzungen des Hermsdorfer Drogen-Therapeuten Garri R. wurden weitere Zeugen gehört.

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Berlin - Die spezielle Therapie, mit der Garri R. auf einem großen Schild vor seiner Praxis in Hermsdorf warb, gehört nicht zur Schulmedizin. Die Patienten zahlten wohl in der Regel bar. In Einzelfällen aber liefen „psycholytische Intensivsitzungen“ unter Einsatz von Rauschgift offenbar auf Kosten der Krankenkasse. „Normalerweise wurden diese Sitzungen privat abgerechnet, in meinem Fall aber über Kasse“, sagte gestern eine 27-jährige Zeugin im Prozess um den Drogen-Tod zweier Patienten.

Die junge Frau war am 19. September 2009 zu einer Gruppentherapie in das Haus des 51-jährigen Facharztes für Psychotherapie gekommen. Auch bei zwei früheren Intensivsitzungen habe Garri R. „bewusstseinserweiternde Substanzen“ gereicht. Neben einem nicht verbotenen Mittel seien es einmal Pilze, dann die Droge LSD gewesen. „Bei jenen Treffen geschah nichts, was nicht gewollt war“, meinte die arbeitslose Zeugin. Als R. bei der dritten „Intensivreise“ das Amphetamin MDMA, auch als Partydroge Ecstasy bekannt, brachte, nahm auch sie davon.

Ob sie sich gut aufgeklärt fühlte, wollten die Richter wissen. „Wurde darüber gesprochen, was im schlimmsten Fall passieren kann?“ Die Zeugin überlegte nicht lange: „Es war klar, dass es gefährlich ist.“ Kein kritisches Wort kam über den seitdem inhaftierten Therapeuten. „Wir wussten, was wir taten, wir hatten uns diese Therapie bei ihm ausgesucht“, erklärte sie.

Sieben der zwölf Patienten hatten sich für die Einname von MDMA entschieden. Garry R. wollte jeweils 120 mg abwiegen. Doch die Dosis war viel stärker. Die Wirkung trat schnell und heftig ein. „Als hätte jemand einen schwarzen Schleier über alles gezogen“, erinnerte sich ein 34-jähriger Teilnehmer der Gruppensitzung. Seine Erinnerung ist verschwommen – Unruhe, weinende oder zitternde Menschen, das Gesicht eines älteren Mannes, das bläulich-lila angelaufen war.

Garri R. bemühte sich um die Kollabierten. Hilfe wurde sofort gerufen. Doch ein 59-Jähriger starb in der Praxis, ein 28-jähriger Student in einer Klinik. R. hatte sich zu Beginn des Prozesses schuldig am Tod der Männer bekannt. Er habe auf schreckliche Weise erfahren müssen, dass er den Umgang mit illegalen Substanzen falsch eingeschätzt hatte. Der Arzt muss sich wegen Mordversuchs und Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Die Therapiegruppe traf sich noch einmal nach dem Drama. Die Frage der Schuld sei nicht direkt thematisiert worden, sagte ein Zeuge. „Wir waren uns alle klar darüber, dass ihn eine gewisse Schuld trifft, über das Ausmaß aber gingen die Meinungen auseinander.“ Zwei Männer und eine Frau hätten sich „stark distanziert von der Arbeit mit Substanzen“. Der Prozess geht Montag weiter.

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