Prozess : Mieter zündelte aus Frust

Ein 56-Jähriger wollte sich offenbar umbringen und zündete im vergangenen August seine Wohnung in der Heinrich-Heine-Straße an. Dabei kam beinahe eine Frau ums Leben.

Mieter des Hochhauses bemerkten kurz nach 23 Uhr Qualm im Treppenhaus. Aus dem achten Stock drangen dichter Rauch und Flammen. Der 56-jährige Hans-Joachim S. soll in jener Augustnacht seine Wohnung angezündet haben. „Ich war frustriert und wollte meinem Leben ein Ende setzen“, sagte er gestern vor dem Landgericht. Der Zündler erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Eine 88-jährige Nachbarin aber lag bewusstlos vor ihrer Wohnungstür, als die Feuerwehr eintraf. Für sie bestand Todesgefahr.

Eine Arbeit hatte Jurist S. schon lange nicht mehr. Auch die Ehe war in die Brüche gegangen. Die Drei-Raum-Wohnung in der Heinrich-Heine-Straße konnte er sich eigentlich nicht mehr leisten. Ab Frühjahr 2009 zahlte er keine Miete mehr. Im Juni schaltete die Wohnungsgenossenschaft einen Sozialarbeiter ein. Es kam zu einer Einigung. Doch S. soll die vereinbarten Raten nicht begonnen haben. Da kündigte der Vermieter fristlos.

Der Angeklagte zündete den Ermittlungen zufolge Papier an und sah zu, wie sich die Flammen ausbreiteten. Er soll stark angetrunken gewesen sein. Vier Wohnungen des Elfgeschossers wurden zum Teil erheblich beschädigt. Ein Schaden von insgesamt 70 000 Euro entstand. Der Prozess um besonders schwere Brandstiftung wird Montag fortgesetzt. K. G.

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