Prozess : Nach dem tödlichen Trinkduell vergnügte sich der Wirt

Der Schüler Lukas lag auf einer Bank, der zehn Jahre ältere Wirt verließ sein Lokal mit einer jungen Frau an seiner Seite. War Aytac G. nach dem Wett-Trinken, bei dem er zunächst heimlich Wasser statt Tequila getrunken hatte, tatsächlich völlig betrunken? Der Prozess geht weiter.

Kerstin Gehrke

 „Ich konnte nicht mehr“, hatte er zu Beginn des Prozesses erklärt. Nach Aussage einer Zeugin aber müsste er sich relativ schnell erholt haben. „Ja, wir hatten Sex“, meinte die 22-Jährige gestern im Prozess gegen den damaligen Wirt. „Der Vorfall in der Wohnung seiner damaligen Freundin war unser letztes Treffen.“

In der Bar „Eye-T“ in Charlottenburg hat sich Lukas W. am frühen Morgen des 25. Februar 2007 zu Tode getrunken. Mit 38-prozentigem Tequila. Trinken bis einer aufgibt. So war es vereinbart. Gastwirt Aytac G. aber hielt sich nicht an die Spielregeln. Er soll die Bedienung heimlich angewiesen haben, ihm nur Wasser zu servieren. Bis Lukas W. den Ermittlungen zufolge nach 25 Schnäpsen versehentlich ein Glas Wasser bekam. Von da an soll auch G. Tequila getrunken haben. Lukas brach nach mindestens 45 Gläsern zusammen und fiel ins Koma. Er wachte nicht mehr auf.

„Was sie tranken, habe ich nicht gesehen“, sagte die 22-jährige Zeugin. Sie hatte nur Augen für den damaligen Wirt. Nach dem Sauf-Duell hakte sie sich bei G. ein. Er hatte seiner damaligen Freundin versprochen, am frühen Morgen bei ihr zu sein und auf ihre kleine Tochter aufzupassen. „Er kam ziemlich betrunken“, sagte die 24-jährige Mutter. Die Bäckerei-Verkäuferin verließ kurz darauf die Wohnung. Sie ahnte nicht, dass draußen eine andere Frau wartete. „Er rief mich dann“, erinnerte sich diese.

Die Mutter erfuhr von ihrer Tochter, dass eine „Frau mit langen Beinen“ in der Wohnung gewesen wäre. Sie stellte G. zur Rede. „Er stritt alles ab“, sagte die Verkäuferin als Zeugin. Der Seitensprung führte dazu, dass sie sich von ihm trennte. Die Frau mit den langen Beinen hatte im Ermittlungsverfahren unterschiedliche Angaben zur Alkoholisierung des damaligen Wirts gemacht. Im Prozess sagte sie: „Durch die frische Luft wurde er immer klarer.“ Als er das Lokal verließ, habe G. „irgendwie gegrinst“.

Die Anklage wirft dem 28-jährigen Aytac G. Körperverletzung mit Todesfolge vor. Der Wirt übernahm im Prozess moralische Verantwortung und behauptete, dass Lukas mit dem Trinken einfach nicht aufhören wollte. Der Prozess wird am Mittwoch kommender Woche fortgesetzt.

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