Prozess : Rentner in Tiefgarage ausgeraubt

Als der 74-jährige Walter K. in Tempelhof in sein Auto steigen wollte, schlug der Täter brutal zu: Ein 24-Jähriger prügelte ihn bewusstlos, zerrte den Rentner auf die Rückbank und fuhr mit dessen Auto davon. Vor dem Landgericht erhielt er eine hohe Strafe - und gab eine knappe Erklärung ab.

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Berlin - Der Rentner wollte gerade in sein Auto steigen, als ein Räuber in der Tiefgarage in Tempelhof zuschlug. „Erst mit der Faust, dann trat er mir in die Rippen und ins Gesicht“, beschrieb Walter K. vor dem Landgericht. „Mein Leben war fast vorbei.“ Knapp sechs Monate nach dem Überfall wurde der 24-jährige Bauhelfer Cezary N. am Montag zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Er sei außergewöhnlich brutal und rücksichtslos vorgegangen.

Der damals 71-jährige K. wollte in der Nacht zum 15. April seinen Sohn von der Arbeit abholen. Der Rentner hörte auf der Ringbahnstraße Schritte hinter sich. Als Walter K. an seinen Ford trat, spürte er den ersten Schlag und verlor das Bewusstsein. Der Täter zerrte sein Opfer in dessen Wagen auf die Rückbank. Doch als er am Garagentor stoppte, konnte Walter K. aus dem Wagen fliehen.

Ein Passant sah den blutverschmierten Rentner und zeigte Zivilcourage. Der 34-jährige Murat Y. sorgte dafür, dass sich ein Passant um den Verletzten kümmerte. Dann sprang er in seinen Wagen und nahm die Verfolgung auf. Er achtete auf Abstand und hielt die Polizei auf dem Laufenden. Nach vier Kilometern fuhr N. in eine Sackgasse. Kurz darauf klickten die Handschellen. Im Prozess gestand er knapp. „Ich hatte eine problematische Zeit und kann mich nur entschuldigen“, erklärte der Gelegenheitsarbeiter aus Polen. Bereits im Januar hatte er versucht, einer Rentnerin in Treptow die Handtasche zu rauben.

Der inzwischen 72-jährige Walter K. hörte es kopfschüttelnd. „So etwas kann man nicht entschuldigen.“ Zehn Euro, EC-Karte und seine Papiere befanden sich damals in seiner Brieftasche. Er war mit drei Rippenbrüchen, gebrochener Nase und massiven Gesichtsprellungen ins Krankenhaus gekommen. Wochenlang litt er unter Schmerzen, konnte lange seine Wohnung nicht verlassen und nicht mehr ins Auto steigen. Er verkaufte es. Seine Traumatherapie dauert an. „Mein Leben hat sich von Grund auf geändert“, sagte der frühere Elektromechaniker.

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