Prozess : Serientäter missbrauchte Mädchen in Kellern

Mathias R. lauerte seinen Opfern auf ihrem Heimweg von der Schule auf. Hatten die Mädchen die Haustür geöffnet, zwang er sie in den Keller. Vor Gericht gesteht der 27-Jährige fünf Übergriffe auf Schülerinnen – und spricht von "Aussetzern“.

Kerstin Gehrke

Seine Methode war immer dieselbe. Mathias R. lauerte seinen Opfern auf ihrem Heimweg von der Schule auf. Hatten die Mädchen die Haustür geöffnet, zwang er sie in den Keller; teilweise drohte er ihnen mit einem Messer. Über Jahre hinweg hat der heute 27-Jährige in Marzahn und Hellersdorf Schülerinnen missbraucht und vergewaltigt. Sie waren zehn bis 13 Jahre alt. „Ich weiß nicht, was mich damals geritten hat“, sagte er gestern vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft strebt für den Mann eine Sicherungsverwahrung an: Sie hält für möglich, dass R. einen Hang zu derartigen Taten hat, von dem ihn auch eine hohe Haftstrafe nicht abbringt.

Die Serie begann am 23. November 2000. Damals verfolgte R. ein elfjähriges Mädchen. Die Schülerin war fast an der Wohnungstür, als er sie von hinten packte. Der Gelegenheitsarbeiter zerrte sie bis in den Keller hinunter. Er werde sie umbringen, wenn sie sich nicht ausziehe, drohte er. In anderen Fällen setzte er seinen völlig verängstigten Opfern auch ein Messer an den Hals, um jegliche Gegenwehr zu verhindern. Einige der Mädchen schloss er nach den Übergriffen im Keller ein.

Acht Taten bis Januar 2004 hatte die Anklage aufgelistet. Fünf der Fälle räumte R. nun ein. „Mal war ich eigentlich auf dem Weg zu meiner Mutter, mal kam ich von der Arbeit, mal wollte ich frühere Klassenkameraden besuchen“, sagte der ledige Mann. Er könne sich nicht erklären, wie es zu den Übergriffen kam. „Es gab Aussetzer, es machte klick, ich stand neben mir.“

Er habe heute auch kein Bild mehr von seinen Opfern, sagte der Angeklagte. Er könne auch nicht sagen, was er bei ihrem Anblick gefühlt habe. „Einen Hang zu kleinen Mädchen habe ich aber nicht“, beteuerte er und entschuldigte sich wortreich bei der Mutter eines der Opfer, die mit im Gerichtssaal saß. Die Frau hielt es kaum aus. „Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, was Sie den Mädchen angetan haben?“, hielt sie ihm schließlich vor. Ja, heute wisse er, dass seine Opfer „das lebenslänglich mit sich herumtragen“ würden.

Mathias R. ist ein äußerlich blasser Typ mit weichen Gesichtszügen. Das glatte Haar trägt er ordentlich gescheitelt. Er sei „nah am Wasser gebaut“, erklärte der Angeklagte. Keine Frage der Richter brachte den jungen Mann aus der Fassung. „Beweggründe in dem Sinne hatte ich nicht“, meinte er. Nach den Taten habe es wieder „klick“ gemacht. „Da hat sich dann mein Gewissen wieder eingeschaltet.“ Er habe über psychologische Hilfe nachgedacht und auch daran, sich der Polizei zu stellen. „Aber eine höhere Macht hat mich dann von einer Selbstanzeige abgehalten.“

Lange fehlte von dem Serientäter jede Spur. Es gab nur ein Phantombild, das nach Angaben eines der Mädchen gefertigt worden war. Bei einem Überfall Anfang Januar 2004 konnte eine Schülerin durch Hilfeschreie Nachbarn aufmerksam machen. Da floh der mutmaßliche Sexualtäter. Kurz darauf endete die Serie. Der Grund erschloss sich später: Im Februar 2004 musste R. eine dreijährige Haftstrafe wegen Versandhaus-Betrugs antreten. Aufgrund von DNA-Spuren wurde er schließlich im Oktober 2005 überführt.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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