Prozess : Tod nach Schönheitsoperation: Chirurg vor Gericht

Zu ihrem 50. Geburtstag wollte sich Anja S. eine Schönheitsoperation gönnen. Doch sie überlebte den Eingriff nicht. Der behandelnde Chirurg kam am Ende des ersten Prozesstages ins Gefängnis.

Kerstin Gehrke

Die Frau war fest entschlossen. „Zu meinem 50. Geburtstag lasse ich mir einen neuen Bauch machen“, kündigte sie ihrem Mann an. Jochen S. war entsetzt. Sein Versuch, ihr die Sache auszureden, scheiterte. „Sie haderte schon immer mit ihrem Körper“, sagte er gestern als Zeuge vor Gericht. Er wartete am Tag der Operation in einer Tagesklinik stundenlang auf den Anruf, dass er Anja S. nun abholen könne. Am Abend aber lag sie auf der Intensivstation. Sie war nicht mehr ansprechbar, starb zwölf Tage später.

Der Schönheitschirurg soll verantwortlich sein für den Hirntod. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Seit gestern muss sich Reinhard Sch. wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Obwohl die Operation für etwa 1800 Euro unter rückenmarksnaher Betäubung und in einem narkoseähnlichen Dämmerschlaf stattfand, habe er keinen Anästhesisten hinzugezogen, warf der Ankläger dem 58-Jährigen vor. Es sei eine kunstfehlerhafte Operation gewesen.

Die 49-jährige Frau erlitt einen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch. Der Arzt konnte sie zwar reanimieren. Laut Anklage aber erlangte sie das Bewusstsein nicht wieder. Trotz der schweren Komplikationen habe der Chirurg erst sechseinhalb Stunden später den Transport der Patientin in ein Krankenhaus veranlasst. Auch dies sei ein Verstoß gegen die Regeln der ärztlichen Kunst gewesen.

„Meine Frau stand mit beiden Beinen im Leben. Sie ging davon aus, dass ein Anästhesist dabei sein würde“, sagte der Witwer. Als er sie am 30. März 2006 zur Charlottenburger Klinik brachte, habe sich Anja S. noch gegenüber einer Schwester gewundert: „Ich habe noch gar nicht mit dem Anästhesisten gesprochen.“ Der Angeklagte reagierte kopfschüttelnd. Er hatte über seinen Verteidiger die Vorwürfe zurückgewiesen.

„Ein Anästhesist war nicht vorgesehen“, hieß es in der Erklärung. Die Patientin habe dem zugestimmt, „weil keine Vollnarkose notwendig war“. Am Ende der Operation sei es zu einer Embolie gekommen. „Die Patientin musste stabilisiert werden.“ Bis sie transportfähig war, habe man sie in der Tagesklinik betreut.

„Ihre Augen waren auf, aber es war kein Blick darin“, sagte der Witwer. Er ist Zeuge und zugleich Nebenkläger. Die nächste Zeugin legte dann den Richtern einen Brief auf den Tisch. „Möglicherweise sind Ihnen die damaligen Ereignisse nicht mehr geläufig“, schrieb kürzlich der Angeklagte seiner Ex-Arzthelferin. Er formulierte mögliche Fragen der Richter und antwortete in ihrem Namen.

Was sehr nach einer versuchten Beeinflussung der Zeugin klang. „Wir verhaften Sie jetzt, Sie kommen in Untersuchungshaft“, entschieden schließlich die Richter. Es bestehe Verdunklungsgefahr. Der Prozess geht Montag weiter.

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