Prozess : Tödliche Überdosis aus Mitleid

Eine Frau aus Köpenick soll ihre Schwiegermutter aus Mitleid mit Medikamenten umgebracht haben. Obwohl die 82-jährige Rentnerin unter "unsagbaren Schmerzen" litt und im Sterben lag, geht die Staatsanwaltschaft von Totschlag aus.

Die Leiden der 82-jährigen Frau waren groß. „Sie hatte unsagbare Schmerzen“, sagte ein Arzt gestern vor Gericht. Mit dem baldigen Tod sei zu rechnen gewesen. Doch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schwiegertochter in das Schicksal der schwerkranken Rentnerin eingriff. Die 59-jährige soll ihre Schwiegermutter mit Medikamenten umgebracht haben. Seit gestern steht sie wegen Totschlags vor dem Landgericht.

Leise sprach die Frau. „Ich weiß überhaupt nicht, wie ich dazu komme, hier zu sitzen“, erklärte sie. Sie habe ihrer Schwiegermutter nur die verordneten Mittel verabreicht. „Sie wollte nur noch sterben, sie wollte, dass die Ärzte ihr etwas geben, damit sie von den Schmerzen erlöst wird“, sagte die Angeklagte. „Ich aber hätte es nie mit meinem Gewissen vereinbaren können“, bestritt die Frau aus Köpenick den Tötungsvorwurf.

Die Rentnerin lebte seit zweieinhalb Jahren im Einfamilienhaus von Sohn und Schwiegertochter. Sie litt an Parkinson und war herzkrank, konnte schon Wochen vor ihrem Tod das Bett nicht mehr verlassen. Druckgeschwüre hatten sich entwickelt. Die Hausärztin hatte ein Schmerzmittel verordnet. Von diesem Medikament soll die Angeklagte am Abend des 19. Mai 2005 eine tödliche Dosis verabreicht haben, „um die Schwiegermutter von ihren krankheitsbedingten Leiden zu erlösen“, hieß es in der Anklage. Die Hausärztin versicherte im Zeugenstand, dass sie ausdrücklich auf die Einhaltung der verordneten Dosierung hingewiesen habe. Auch, weil die Rentnerin nur noch 41 Kilogramm wog. Dass die Seniorin allein an die Medikamente gelangen konnte, schloss die Angeklagte aus. Eine Erklärung für die später bei chemisch-toxikologischen Untersuchungen festgestellte Überdosis hatte sie nicht.

Der Fall war durch die gesetzliche Leichenschau im Krematorium ins Rollen gekommen. Ein Gutachter war aufgrund der Druckgeschwüre zunächst von einem möglichen Pflegefehler ausgegangen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. K.G.

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