Prozess : Tödlicher Familienstreit - Vorwürfe gegen Polizei

"Hinrichtung" - so nannte es der Anwalt der Angehörigen zum Auftakt des Prozesses gegen einen Mann, der seinen Schwager erschoss. Der Anwalt will das Land Berlin auf Schadenersatz verklagen. Berlins Polizeipräsident räumte Versäumnisse ein.

BerlinBegleitet von schweren Vorwürfen gegen die Polizei hat vor dem Berliner Landgericht der Prozess gegen einen 45-jährigen Deutschtürken begonnen. Rund sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf seinen Schwager muss sich der Mann wegen Totschlags verantworten. Am 3. Mai dieses Jahres soll er den 50-Jährigen nach einem Streit auf offener Straße in Moabit durch elf Schüsse getötet haben. Mehrere Angehörige des Getöteten nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil. Der Anwalt der Familie, Clemens Rothkegel, kündigte an, das Land Berlin auf Schadenersatz zu verklagen.

Laut Anklage schoss der 45-Jährige seinem Schwager zunächst ins Bein und dann aus nächster Nähe mehrmals in den Oberkörper. Schließlich soll er zwei weitere Schüsse abgefeuert haben, als der Verwandte bereits am Boden lag. Rothkegel sprach von einer "Hinrichtung".

"Die Entschuldigung nützt nichts"

In Zusammenhang mit dem Tod des Familienvaters hatte Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch später "Versäumnisse" seiner Behörde eingeräumt und sich bei den Angehörigen des Opfers öffentlich entschuldigt. Denn der Getötete hatte bereits Anfang April seinen Schwager wegen Bedrohung mit einer Schusswaffe angezeigt. Dabei hatte der 50-Jährige darauf verwiesen, dass der Sportschütze eine scharfe Waffe besitze und möglicherweise psychisch krank sei.

"Die Entschuldigung nützt nichts", sagte die Ehefrau des Getöteten am Rande des Prozesse. Die Polizei habe sie im Stich gelassen. Weil sie keine Hilfe bekommen hätten, habe ihr Mann sein Leben eingebüßt, sagte die 46-Jährige.

Der Angeklagte wollte sich im Prozess nicht äußern. Einem neuen Gutachten zufolge leidet der 45-Jährige unter einer schizophrenen Störung. Das Tatmotiv ist weiterhin unklar. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. (imo/ddp)

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