Prozess um JVA-Bedienstete : Mutmaßliches Opfer erinnert sich kaum

Der Prozess geht in die dritte Runde. Angeklagt sind 13 Bedienstete der JVA. Sie sollen 1999 einen Gefangenen misshandelt haben. Das Opfer kann sich jedoch nur schwer erinnern. Zeugen bestätigen die Vorwürfe.

PotsdamVor dem Landgericht Potsdam ist der Prozess gegen 13 Bedienstete der Justizvollzugsanstalt (JVA) Brandenburg/Havel wegen Misshandlung eines Gefangenen in drei Fällen fortgesetzt worden. Am dritten Prozesstag wurde das mutmaßliche Opfer Matthias D. zu einem Vorfall vernommen, der sich laut Anklage am Nachmittag des 4. März 1999 in der Zelle des damaligen Strafgefangenen ereignet haben soll. Matthias D. kann sich jedoch kaum daran erinnern. Er betonte bei seiner Aussage vor Gericht: "Ich weiß, dass etwas war. Es kam mir vor wie ein schlechter Traum. Ich weiß nicht, ob ich bewusstlos war. Da war irgendetwas mit einem
Schlüsselbund."

"Pathologischer Dämmerzustand" des Opfers

Laut Anklage soll sich das Opfer an dem Nachmittag nach einem ersten Angriff am Morgen in einem "pathologischen Dämmerzustand" befunden haben. Der Hauptangeklagte Jens D. und der Angeklagte Frank L. sollen zu dem Opfer in die Zelle gegangen und ihn mit einem Schlüsselbund sowie einem Schlagstock traktiert haben. Dadurch soll Matthias D. nach ersten Verletzungen vom Morgen weitere Prellungen und Abschürfungen erlitten haben.

Am zweiten Prozesstag hatte der ehemalige Strafgefangene den Hauptangeklagten Jens D. schwer belastet und Angaben zum ersten Angriff gemacht. So soll Jens D. sich auf seine Brust gekniet und ihn mehrfach geschlagen haben. Andere Gefängniswärter sollen den Gefangenen dabei festgehalten haben. Die Aussagen wurden vor Gericht von einem ehemaligen Mithäftling bestätigt.

Wie am heutigen Prozesstag durch die Staatsanwaltschaft bekanntwurde, soll der Mitangeklagte Andreas F. vor Prozessbeginn einen Freigänger der JVA aufgefordert haben, den ehemaligen Gefangenen Jens L. von einer Aussage vor Gericht abzuhalten. Für den Fall, dass er bei einem Freigang nicht mit seinem Bekannten rede, seien ihm Konsequenzen angedroht worden.

Der Freigänger Heiko G. wurde von der Staatsanwaltschaft kurzfristig als Zeuge geladen. Er sollte noch am Nachmittag vernommen
werden.

Angeklagte schweigen

Am 12. März soll Matthias D. Aussagen zum dritten Fall machen. Laut Anklage sollen am Morgen des 5. März 1999 mehrere der Angeklagten mit Sturmhauben und in Schutzanzügen die Zelle von Matthias D. gestürmt und das Opfer erneut geschlagen haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den angeklagten elf Männern und zwei Frauen im Alter von 37 bis 53 Jahren Körperverletzung im Amt und Misshandlung eines Schutzbefohlenen vor. Die Beschuldigten haben sich bisher im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Während der Ermittlungen hatten sie die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. (tbe/ddp)

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