Prozess um Wettbüro-Mord in Berlin-Reinickendorf : Der Kronzeuge lässt vorlesen

Der am Mord an Tahir Ö. beteiligte und nun geständige Kronzeuge packt vor Gericht aus - in Bezug auf die Rolle von Rockerboss Kadir P. sind seine Aussagen aber nicht besonders hilfreich.

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Die Verteidiger und Rechtsanwälte im Gerichtssaal in Berlin-Moabit
Die Verteidiger und Rechtsanwälte im Gerichtssaal in Berlin-MoabitFoto: dpa

Die Verteidiger des mitangeklagten Kronzeugen haben sich durchgesetzt: Statt freier Rede ihres Mandanten verlesen sie, was Kassra Z. auf Fragen der Polizei geantwortet hat. Für eine Aussage in einem Strafprozess ist das eine sehr ungewöhnliche Form, doch Anwälte von anderen Angeklagten im spektakulären Prozess wegen Mordes aus Rache im Milieu der Hells Angels scheiterten mit ihrem Protest.

Kurze Frage, klare Antwort. „Die achte Person bin ich, leider“, gab der 27-jährige Z. zwei Monate nach den tödlichen Schüssen im Weddinger Wett-Café bei der Polizei zu Protokoll. Der Anschlag, bei dem 13 teilweise Vermummte in den Raum gestürmt waren, geschah vor laufender Überwachungskamera. Z. ordnete die Personen zu und nannte Namen von weiteren Rockern der Hells-Angels-Gruppierung um Kadir P. Über den 30-Jährigen sagte Z., dieser führe den Club als Alleinherrscher "nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche".

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass P. den Mord an Tahir Ö. in Auftrag gegeben habe. Er ist wegen Anstiftung angeklagt. In diesem Punkt aber scheinen die Aussagen von Z. keine große Stütze zu sein. „Ich weiß nichts von einem solchen Auftrag“, sagte er. „P. würde sich auch nicht vor 30, 40 Leuten hinstellen und sagen, bringt den mal um“, gab Z. zu Protokoll.

Als einer der 13 Gestalten im Café am 10. Januar das Feuer auf den 26-jährigen Tahir Ö. eröffnete, will Z. schockiert weggerannt sein. Der Prozess geht Dienstag weiter.

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