Prozess : Urteil um Mai-Randale in Sicht

Der Prozess gegen zwei Schüler wegen versuchten Mordes während der Maikrawalle in Kreuzberg soll noch im Januar zu Ende gehen. Den beiden wird vorgeworfen, einen Molotowcocktail auf Polizisten geworfen zu haben.

Das Gericht kündigte am Dienstag an, dass ein „Ende noch im Januar absehbar ist“. In dem seit September laufenden Prozess wird den Schülern Rigo B. und Yunus K. vorgeworfen, am Abend des 1. Mai in Kreuzberg einen Molotowcocktail auf Polizisten geworfen zu haben. Dabei soll ein Teil der brennenden Flüssigkeit eine junge Frau getroffen und ihre Kleidung entzündet haben. Sie erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades

Die heute 17- und 20-jährigen Schüler, die über sieben Monate in Untersuchungshaft saßen, hatten den Tatvorwurf von Anfang an bestritten. Erst vorige Woche hatte das Gericht die Haftbefehle gegen beide Angeklagten überraschend aufgehoben. Ähnliche Anträge waren zuvor wiederholt abgelehnt worden. Ein Sachverständiger hat am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Gutachten zu den beiden Angeklagten vorgetragen.

Beweislage bleibt heftig umstritten

Zuvor hatte das Gericht seinen Beschluss bekräftigt, wonach die Kammer derzeit „keinen dringenden Tatverdacht sieht“. Der Staatsanwalt, der diesen weiterhin bejaht, wollte sich dazu nicht äußern. Nach den Vorstellungen des Gerichts sollen noch ein Polizist gehört, Videoaufnahmen vom Tatabend gesichtet und die Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe gehört werden.

Am Montag war es in der Befragung eines ermittelnden Polizisten um Merkwürdigkeiten im Zusammenhang mit der Ermittlung gegen zwei andere Männer gegangen, die von der Verteidigung als wahre Täter angesehen werden.

Anfang September begann der Prozess. Die Fronten waren verhärtet, die Beweislage heftig umstritten. Die Angeklagten beteuern ihre Unschuld. Sie hätten lediglich zu einem Automaten gehen und Geld holen wollen. Ihre Anwälte gehen von einer Verwechslung aus. Drei Polizisten aber belasteten die Schüler.

Benzinkanister bei Durchsuchung entdeckt

Zentraler Streitpunkt ist ein Foto, das ein Student in zeitlicher Nähe zum Wurf des Molotowcocktails gemacht hatte. Dies zeigt eine „Vierergruppe“: Zeugen sagten, aus dieser Gruppe sei eine Brandflasche geworfen worden. Nach einer Anzeige der Verteidigerin von Rigo B. kam es Ende September bei zwei der Männer aus der Gruppe auch zu Durchsuchungen.

Es wurden dabei Benzinkanister entdeckt – unter anderem im Bettkasten. Doch beschlagnahmt wurden die möglichen Beweismittel nicht; später waren sie verschwunden. Eine Beamtin sagte vor Gericht, sie habe auf Anweisung lediglich Fotos gemacht. „Die fotografische Dokumentation war aus meiner Sicht ausreichend“, erklärte der befragte Ermittler: In der Rückschau könnte dies ein Fehler gewesen sein. Bei beiden Männern seien aber Computer beschlagnahmt worden.

Der Prozess wird am 6. Januar mit der Vernehmung des Polizisten fortgesetzt. (ho/kg/ddp)

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