Prozess : Vater gesteht Tötung seiner Tochter

Ein 42-Jähriger hatte im Februar die siebenmonatige Amélie zu Boden geschleudert. Er gilt als psychisch krank.

Kerstin Gehrke

Die Mutter hielt ein kleines Stofftier in der Hand, als sie den Gerichtssaal betrat. Ein buntes Nilpferdchen aus der Zeit mit ihrer Tochter. Seit gestern sitzt die 31-jährige Melanie A., die Mutter von Amélie, dem Vater des Mädchens im Gerichtssaal gegenüber. Er hat das sieben Monate alte Baby am 29. Februar in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Reinickendorf getötet. Nun soll er die Tat gestanden haben. „Er bereut so sehr, wie man nur bereuen kann“, sagte sein Verteidiger am Rande des nicht öffentlichen Prozesses.

Philippe B. ist 42 Jahre alt. Er ist Franzose und hat als angelernter Koch gearbeitet. Seit 1999 kann er wegen einer psychischen Erkrankung nicht mehr arbeiten. „Ein gesunder Mann hätte diese Tat nicht begangen“, erklärte sein Anwalt. An die Familientragödie könne sich Philippe B. erinnern. „Aber am entscheidenden Punkt ist eine Lücke.“ Der Angeklagte soll von einem Blackout gesprochen haben.

Der Morgen des 29. Februar begann mit einem Streit der getrennt lebenden Eltern. Philippe B. rief bei Melanie A. an, die mit der gemeinsamen Tochter Amélie und ihrem elfjährigen Sohn aus erster Ehe in einer betreuten Mutter-Kind-Einrichtung lebte. Kurz nach dem Gespräch rannte Philippe B. los. Nach seiner Darstellung in Sorge um seinen geplanten Besuch. Im Appartement von Melanie A. sei er dann immer mehr in Rage geraten.

Im Badezimmer rastete er völlig aus. Als die Mutter dabei war, Amélie anzuziehen, soll er sie vom Wickeltisch genommen haben. „Er schlug sie gegen die Badezimmerwand, einen Schrank und eine Waschmaschine“, heißt es in der Anklage. Schließlich habe er das Baby mit aller Gewalt auf den gefliesten Boden geworfen. Die Mutter wollte ihr Kind retten, warf sich dazwischen. Er aber verpasste ihr einen Faustschlag. Alarmierte Notärzte kämpften dann um das Leben der kleinen Amélie. Ihr Kopf war zertrümmert. Sie starb noch am Tatort.

„Ich weiß nur, dass ich etwas mit dem Kind gemacht habe“, soll der Vater vor Gericht erklärt haben. Und er soll von einem Gemütszustand gesprochen haben, den er nicht mehr beherrschen konnte. Früher habe er in einer solchen Situation auf eine Chilischote gebissen. An jenem Morgen aber habe er keine dabeigehabt.

Melanie A. und Philippe B. haben sich in einer psychiatrischen Klinik kennengelernt. Beide sollen am Borderline-Syndrom leiden. Melanie A. träumte noch von einer heilen Familie, als er sie im November 2006 erstmals schlug. Als er kurz nach Amélies Geburt ihren Sohn angriff, wollte sie eine räumliche Trennung. B. durfte seine Tochter besuchen und sie sogar alle zwei Wochen übers Wochenende mitnehmen. Es soll monatelang keine Probleme gegeben haben.

Alle Prozessbeteiligten gehen davon aus, dass Philippe B., der sich wegen Totschlags verantworten muss, psychisch krank ist. Nach einem vorläufigen Gutachten ist seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wahrscheinlich. Der Anwalt von Melanie A., die Nebenklägerin ist, sagte: „Sie möchte, dass ihm geholfen wird, ein gerechtes Urteil, keine übermäßige Strafe.“ Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

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