Prozess : WBB-Millionenpleite: Mutmaßlicher Drahtzieher sagt aus

Im Prozess um die Millionenpleite des ehemaligen Wärmeanlagenbau Berlin (WBB) hat Michael Rottmann erstmals zu den Vorwürfen persönlich Stellung genommen. In einer umfassenden Erklärung bezeichnete der frühere Manager der Ostberliner Firma, dem Untreue zur Last gelegt wird, die Vorwürfe als "falsch".

Das seit Anfang Oktober laufende Verfahren gegen Rottmann ist der letzte große Prozess zur Wirtschaftskriminalität in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Der heute 66-Jährige soll als einer von sechs WBB- Geschäftsführern dem Unternehmen nach der Wende das „Kapital bis zur Zahlungsunfähigkeit entzogen“ haben. Der Gesamtschaden soll umgerechnet rund 50 Millionen Euro betragen. Ende 1994 ging das seit 1969 bestehende und einstmals „sehr liquide“ Unternehmen mit 1225 Mitarbeitern und zahlreichen wertvollen Immobilien pleite.

Die Treuhand sei weder über die Privatisierungsabsicht getäuscht worden, noch sei ihr ein Schaden entstanden, hieß es in der Erklärung. Es habe auch keine Absicht vorgelegen, das Unternehmen „auszuhöhlen“ oder „auszuplündern“.

Der ehemalige DDR-Betrieb Wärmeanlagenbau Berlin war im September 1990 von der Treuhand übernommen worden. Das Stammkapital betrug damals zwei Millionen Euro. Eine vom Angeklagten aufgekaufte Schweizer Firma soll unter Vortäuschung falscher Vermögenswerte die WBB im Februar 1991 für eine Million Euro erworben haben. Dabei hatte es sich laut Anklage um eine Briefkastenfirma gehandelt. Über ein undurchsichtiges Firmengeflecht soll Rottmann die WBB ausgehöhlt und die Gelder auf ausländische Konten transferiert haben.

Seit 1996 bestand gegen Rottmann ein internationaler Haftbefehl. Nach jahrelanger Fahndung wurde der Ex-Manager im September 2000 in England verhaftet. Im Juli dieses Jahres wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Drei weitere Geschäftsführer der WBB wurden in der Vergangenheit bereits wegen Untreue zu Bewährungs- und Haftstrafen bis zu drei Jahren verurteilt. Für das Verfahren gegen Rottmann hat die Kammer weitere Termine bis Januar 2010 eingeplant. Der Prozess wird am 26. November fortgesetzt. (nal/ddp)

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