Prozess : Zwei Rentnerinnen erwürgt: Mutmaßlicher Mörder schwieg

Ein Spielsüchtiger soll zwei Rentnerinnen im Alter von 82 und 85 Jahren erwürgt haben. Vor Gericht schwieg der Mann. Die Polizei war zunächst von Unfällen ausgegangen, doch nach Hinweisen von Bekannten deckte die Gerichtsmedizin die Verbrechen auf.

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Alles sah zunächst wie ein natürlicher Tod aus. So war es im August 2010 im Falle der 82-jährigen Ingeborg D. und eineinhalb Jahre später im Falle der 85-jährigen Ursula M. Doch die Gerichtsmedizin führte in eine andere Richtung. Die Rentnerinnen wurden nach Überzeugung der Ermittler mit einem „Unterarm-Würgegriff“ getötet – aus Habgier, heißt es in der Anklage. Mit dem 39-jährigen Mustafa S. steht seit Mittwoch der mutmaßliche zweifache Mörder vor Gericht.

Regungslos hörte der kräftige Mann die Vorwürfe. „Er wird schweigen“, erklärte sein Verteidiger. Der laut Anklage spielsüchtige S., der ein Psychologiestudium abgebrochen hatte und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, war Ende Februar verhaftet worden. DNA-Spuren hatten den wegen Hehlerei und Verstoßes gegen das Waffengesetz vorbestraften Mann verraten. Er gestand damals, dass er sich am 10. Februar als angeblicher Handwerker Zutritt zur Wohnung von Ursula M. in Reinickendorf verschafft hatte. Ein belauschtes Gespräch in einem Imbiss über Bargeld bei der Rentnerin habe ihn auf die Idee gebracht, sagte er.  

Mit 2100 Euro und wertvollem Schmuck soll der Angeklagte geflohen sein. Er gab bei der Polizei zwar Gewalt zu, bestritt jedoch eine vorsätzliche Tötung. Er habe die Rentnerin lediglich „ruhig stellen“ wollen und sei davon ausgegangen, dass sie nur ohnmächtig war. Einen Angriff auf Ingeborg D. in deren Wohnung in Reinickendorf bestritt er Angaben zufolge. Für die 82-Jährige hatte er im Jahr 2009 gelegentlich Besorgungen erledigt und ein paar Euro dafür bekommen. Der wegen seiner Spielleidenschaft verschuldete S. soll bei ihr 700 Euro und 25 Packungen Zigaretten erbeutet haben.

Polizisten gingen in beiden Fällen zunächst von einem Unfall aus. „Die Wohnung war nicht durchwühlt“, sagte ein Beamter über den Fall der 85-Jährigen. Erst als nach Hinweisen von Bekannten des Opfers entdeckt wurde, dass in der Wohnung verstecktes Geld weg und die Schublade mit Schmuck leer war, vermutete man ein Verbrechen. Die Obduktion erhärtete den Verdacht. Und es fielen Parallelen zu dem bis dahin ungelösten Fall der in Wilmersdorf getöteten Rentnerin auf. Der Prozess geht Freitag weiter.

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