Prozessbeginn : Mann prügelte Freundin mit Kampfstock tot

Wegen versuchten Mordes muss sich seit heute ein 45-jähriger Kampfsportlehrer vor dem Berliner Landgericht verantworten. Im Mai schlug er mit einem Stock so lange auf seine Lebensgefährtin ein, dass diese ihren schweren Verletzungen erlag.

Wegen einer tödlichen Kampfstockattacke auf seine Lebensgefährtin muss sich seit Mittwoch ein 45-jähriger Kampfsportlehrer vor dem Berliner Landgericht verantworten. Dem Mann wird versuchter Mord durch Unterlassen sowie Körperverletzung mit Todesfolge zur Last gelegt. Im Mai dieses Jahres soll der Inhaber einer Reinickendorfer Kampfsportschule im Streit mit einem Stock auf seine Freundin eingeschlagen haben, so dass diese bewusstlos zusammenbrach und in der Folge an Erbrochenem erstickte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der gelernte Krankenpflegerhelfer darauf verzichtete, Rettungskräfte zu alarmieren, um seine Gewalttat zu verdecken. Zwei Tage nach dem Angriff soll er der Frau einen Lappen in den Mund gesteckt haben, weil er glaubte, sie gebe Lebenszeichen von sich. Nach seinen Angaben wollte er damit verhindern, dass sie sich die Zunge abbeißt. Dass die Frau zu diesem Zeitpunkt bereits tot war, soll ihm nicht bewusst gewesen sein.

Der Meister der südasiatischen Kampfkunst "Escrima" wollte sich im Prozess zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Mandant fühle sich psychisch dazu nicht in der Lage, erklärte sein Anwalt. Vor Gericht wurde daher die polizeiliche Vernehmung des 45-Jährigen verlesen. Darin gab er zu, bei einem "eskalierenden" Streit mit seiner Lebensgefährtin wütend geworden zu sein und mit dem Stock auf sie "eingeprügelt" zu haben. Er habe sie aber nicht töteDer Kampfsportlehrer verlor im Streit mit seiner Lebensgefährtin die Nerven. „Ich habe einen Stock gegriffen und zugeschlagen“, gab der 45-jährige Ronald R. bei der Polizei zu Protokoll. Er meinte auch, dass er die 24-jährige Frau keinesfalls umbringen wollte. Im Prozess um den Tod der 24-jährigen Frau schwieg er. Sein Mandant fühle sich „psychisch nicht in der Lage“, auszusagen, sagte gestern sein Verteidiger.

Ronald R. und Martina H. lebten seit vier Jahren zusammen. Er ist Meister der südasiatischen Kampfkunst „Escrima“ und galt als harter und konsequenter Lehrer. Auch sie übte sich in dieser Selbstverteidigung mit einem 55 Zentimeter langen Stock. Zeugen beschrieben Martina H. als ruhig und leise, fast devot und wie ein Schatten an seiner Seite. Sie soll an Trennung von dem Mann gedacht haben.

In der Nacht vom 16. zum 17. Mai dieses Jahres kam es in der Reinickendorfer Kampfsportschule des Angeklagten zum Streit. „Ich wurde immer wütender, bin verrückt geworden“, sagte R. nach seiner Festnahme. Mit einem Trainingsstock schlug er laut Anklage gegen ihren Kopf. Martina H. brach bewusstlos zusammen. Doch Ronald R., ein gelernter Krankenpflegerhelfer, habe sich nicht um sie gekümmert. Die Frau erstickte schließlich an ihrem Erbrochenen. Tagelang lag sie im Büro in der Sportschule.

Der Angeklagte will seine schwer verletzte Freundin nach dem Angriff in den Arm genommen und „wie apathisch“ zwei Tage neben ihr gesessen haben. Danach habe er sich das Leben nehmen wollen, meinte er bei der Polizei. Es war ein 31-jähriger Schüler, der schließlich zur Polizei ging. Das Verhalten des Meisters und das Verschwinden von Martina H. waren ihm verdächtig vorgekommen.

Die Staatsanwaltschaft geht von Körperverletzung mit Todesfolge sowie einem versuchten Mord durch Unterlassen aus. Um die massive Misshandlung mit dem Stock zu vertuschen, habe er Martina H. ihrem Schicksal überlassen, statt Rettungskräfte zu alarmieren. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K. G.

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