Radarkontrollen in Berlin : Polizist bei Blitz-Marathon bespuckt und geschlagen

Nach der groß angelegten Tempo-Kontrolle am Dienstag hat die Polizei Bilanz gezogen: Die Aktion sei erfolgreich gewesen, weil fast überall weniger gerast worden sei. Negativbeispiele gab es aber dennoch - und sogar ein Polizist wurde verletzt.

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24 Stunden lang hat die Polizei an vielen Stellen in Berlin die Geschwindigkeit gemessen.
24 Stunden lang hat die Polizei an vielen Stellen in Berlin die Geschwindigkeit gemessen.Foto: dpa

Es war eine außergewöhnliche Aktion, die es so in Berlin noch nicht gegeben hat: Sie soll helfen, den Verkehr in Berlin sicherer zu machen. 24 Stunden am Stück hat die Polizei am Dienstag in ganz Berlin an insgesamt 249 vorab angekündigten Kontrollorten die Geschwindigkeiten kontrolliert. "Die gesamte Messtechnik wurde in einem Maße ausgelastet, wie es sonst wegen der enormen Aufgabenvielfalt im täglichen Dienst nicht möglich ist", hieß es bei der Polizei.

Das Tempo von mehr als 69.000 Fahrzeugen wurde an allen Kontrollestellen gemessen. Dabei sind laut Polizei 3.375 Raser registriert worden. Negativbeispiel war ein 26-jähriger Autofahrer in Schöneberg. Er war auf der Kleiststraße, auf der 50 km/h erlaubt sind gegen 3.20 Uhr mit Tempo 110 unterwegs. Er muss nun ein Bußgeld in Höhe von mindestens 280 Euro zahlen, bekommt ein zweimonatiges Fahrverbot und vier Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister. "Neben diesem verantwortungslosen Fahrzeugführer müssen noch 58 weitere Schnellfahrer mit einem teils mehrmonatigen Fahrverbot rechnen, weil sie die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten um mindestens 31 km/h überschritten hatten", bilanziert die Polizei. Neben den Geschwindigkeitsverstößen wurden zudem 244 andere Verkehrsverstöße festgestellt. Dabei erwischte die Polizei zwölf Verkehrsteilnehmer, die nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis sind und neun weitere, die Alkohol oder Drogen genommen hatten.

Und auch einen Angriff gab es bei der Aktion: In Lichtenrade ist ein Mitarbeiter der Polizei an seinem Radarfahrzeug von einem Unbekannten bespuckt, beleidigt und geschlagen worden. Der Polizeibedienstete musste ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden.

Sehen Sie hier ein Video zu der Verkehrskontrolle:

Das Ziel, durch die angekündigten Kontrollpunkte das Tempo der Autofahrer zu senken und den Verkehr damit sicherer zu machen, "scheint tatsächlich erreicht worden zu sein", bilanziert die Polizei. Doch wie sehr es durch den "Blitz-Marathon" gelungen ist, positiv auf die Autofahrer einzuwirken, könne jetzt noch nicht gesagt werden. Die Polizei berichtet aber, dass Passanten die Polizisten vielerorts angesprochen und meist lobende Worte für die Aktion übrig gehabt hätten. "Auch die Verkehrsteilnehmer, die sich in den Kontrollen für ihre zu schnelle Fahrweise verantworten mussten, zeigten überwiegend Verständnis für die Maßnahmen und gaben sich in den verkehrsaufklärerischen Gesprächen einsichtig", hieß es bei der Polizei. Zudem seien zahlreiche E-Mails von Bürgern bei der Polizei eingegangen, die positive Resonanz beinhalteten.

Die Geschwindigkeitsüberwachung werde auch künftig im Fokus der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit stehen, hieß es im Präsidium. Auch außerhalb solcher Schwerpunktaktionen werden das gesamte Jahr über täglich rund 50 mobile Radar- und Laserkontrollen gemacht - auch ohne, dass Ort und Zeit vorher angekündigt werden. Raser müssen insofern grundsätzlich Tag und Nacht in der gesamten Stadt damit rechnen, geblitzt zu werden.

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