Raubüberfall : Er verschickte ihre Nacktfotos - sie rächte sich

Am Ende ihrer Beziehung verschickte ihr Ex-Freund Nacktfotos einer Schülerin per E-Mail. Doch ungeschoren ließ sie ihn nicht davonkommen. Mit einem Raubüberfall rächte sich die Schülerin.

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Die Schülerin sah das Foto und weinte bitterlich. Ihr Freund hatte es heimlich aufgenommen und am Ende der kurzen Beziehung aus Rache per E-Mail verschickt. Die Nachricht von dem peinlichen Nacktfoto verbreitete sich schnell in ihrem Bekanntenkreis und weckte kriminelle Energien. Der Ex-Freund sollte nicht ungeschoren davonkommen. Eine Freundin aus dem Internet hatte einen Plan. Am Montag saßen sie als Räuberinnen auf der Anklagebank.

„Ich war am Boden zerstört“, sagte Anja (Namen geändert), eine 18-jährige Schülerin aus Lichtenberg. Ihr Ex hatte auch ihrem neuen Freund das Nacktfoto geschickt, das er heimlich von ihr geschossen hatte. Auch ihre Schwester sah das gemeine Handyfoto und handelte sofort: Sie ging zur Polizei und zeigte den Übeltäter an.

Anja aber gab die intime Angelegenheit in die Hände ihrer forschen Freundin Katja, mit der sie sich via Internet ständig traf. Die 20-jährige Katja L. aus Hohenschönhausen rief ihren mehrfach vorbestraften Ex-Freund Alexander T. an, der wiederum einen kräftigen Kumpel mitgenommen haben soll. Das räuberische Quartett zog am Abend des 12. November letzten Jahres los. Die Jüngste zeigte den Weg nach Hellersdorf. Katja L. und die beiden Männer schritten zur Tat. „Wir wollten ihm nur eins auswischen“, sagte Katja L. vor Gericht. Sie hätten den 24-jährigen David W. zwingen wollen, das Foto zu löschen. „Als Pfand wollten wir ein paar Sachen von ihm mitnehmen.“ Anja blieb im dunklen Hausflur zurück, Katja L. klingelte. Mit einer wilden Geschichte gelang es ihr, in die Wohnung zu kommen. Kurz darauf öffnete sie ihrer breitschultrigen Verstärkung die Tür.

Der Foto-Täter wusste gar nicht, wie ihm geschah. „Hast Mist gebaut“, brüllten die maskierten Männer. Einer hatte einen Schlagstock, Widerstand war zwecklos. „Vom Foto sagten sie nichts“, erklärte David W. im Prozess. Der Kraftfahrer sah, wie die Räuber sein Handy, Geld, die Computertechnik und die Musikanlage griffen. „Von einem Pfand sagte keiner etwas“, erinnerte er sich. Der Kraftfahrer kam ohne Verletzung davon. Er lief kurz nach dem nächtlichen Überfall zu einem Freund. Ein Foto, veröffentlicht im Internet, überführte Anja und ihre Helfer, als David W. und sein Freund sich im Internet Fotos ansahen, die seine Ex zeigten. Auf einem war auch Katja L. zu sehen, die ihm bis zum Raub fremd war.

Sollte ein Denkzettel verpasst und der Foto-Übeltäter unter Druck gesetzt werden? „Nein, hier war ein Raub geplant“, befand das Gericht. Wo die Beute geblieben ist, wissen die Angeklagten angeblich nicht. Sie haben auch nicht verraten, wer der vierte Mann war. Für den 25-jährigen Ex-Freund von Katja L., der Initiatorin, kam es am härtesten. Er soll wegen schweren Raubes für drei Jahre ins Gefängnis. Aber auch die beiden Frauen, die nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden, bekommen Zeit zum Nachdenken: Sie sollen für vier und zwei Wochen in den Dauerarrest.

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