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Razzia bei den Hells Angels in Berlin und Brandenburg : Polizisten suchen vergeblich nach Schusswaffen

280 Polizisten haben am Dienstag mehrere Wohnungen und Kneipen gestürmt. Mit Spürhunden suchten die Beamten nach Schrotflinten und Revolvern - gefunden haben sie nichts. Innensenator Henkel lobt die Null-Toleranz-Strategie.

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Polizist vor der Rockerkneipe "Germanenhof".
Polizist vor der Rockerkneipe "Germanenhof".Foto: dpa

Wieder hat es in Berlin und Brandenburg zeitgleich Razzien gegen Rocker gegeben. Am Dienstagmorgen um 6 Uhr schritt die Polizei an 13 Orten ein – Ziel waren dieses Mal mutmaßliche Hells Angels. Und wie immer, wenn sich Aktionen gegen Rocker richten, waren unter den 280 eingesetzten Polizisten auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK).

Razzia ohne Widerstand - und ohne Waffenfunde

Ermittlungsrichter hatten die Durchsuchungsbeschlüsse wegen vermuteter Waffen erlassen, gestürmt wurden Räume in Eberswalde, Fredersdorf und Teltow, ferner Wohnungen und zwei Lokale in Berlin: der unter Rockern bekannte „Germanenhof“ in Hohenschönhausen und das „Berliner Fußball Café“ in Lichtenberg. Dort hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder Hells Angels getroffen. Auf Widerstand stießen die Beamten am Dienstag nicht, mit Spürhunden suchten sie eigenen Angaben zufolge Revolver, Schrotflinten und Munition – vergeblich. Lediglich geringe Mengen Drogen wurden entdeckt.

Razzien im Rockermilieu
Erneut sind die deutschen Behörden am Mittwoch gegen eine Rockergruppe vorgegangen. Anlass der Razzien ist die Vollstreckung von Verbotsverfügungen gegen die Rockerclubs Gremium und Hells Angels. Auch in Berlin und Brandenburg wurden Wohnungen durchsucht.Weitere Bilder anzeigen
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03.07.2013 11:26Erneut sind die deutschen Behörden am Mittwoch gegen eine Rockergruppe vorgegangen. Anlass der Razzien ist die Vollstreckung von...

Nachdem in Berlin und Brandenburg zahlreiche Gruppen der Hells Angels und der konkurrierenden Bandidos verboten wurden und die Polizei jede Rockerfahrt mit einem Großaufgebot begleitet, sind die Männer in den Lederwesten weniger präsent. Erst vor einigen Wochen hatten Polizisten in Brandenburg und Sachsen erneut Symbole, Waffen und Motorräder beschlagnahmt, nachdem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) das regionale Netzwerk des Gremium MC verboten hatte – das ist der dritte der großen Rockerclubs im Land. Die drei Rockerbruderschaften sollen Ermittlern zufolge etwa um Einfluss in der Prostitution und beim Anabolikahandel konkurrieren. In Brandenburg soll außerdem der Handel mit synthetischen Drogen hinzukommen.

Innensenator Frank Henkel lobt Null-Toleranz-Strategie

„Der hohe Kraftaufwand der Polizei und die Null-Toleranz-Strategie zahlen sich aus“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) dem Tagesspiegel. „Wir nehmen eine deutliche Verunsicherung der Szene wahr.“ Innenpolitiker hatten sich bundesweit auf ein härteres Vorgehen gegen Rocker geeinigt, der Druck wurde massiv erhöht, Sonderermittler eingesetzt. „Allein im vergangenen Jahr hat die Berliner Polizei 126 000 Einsatzkräftestunden gegen kriminelle Rocker geleistet“, sagte Henkel. Das könnte rechnerisch etwa bedeuten, dass 100 Beamte jeden Tag 3,5 Stunden mit der Verfolgung und Kontrolle von Rockern befasst sind.

Rocker klagen auch gegen Verbote

Die Behörden gehen von 1000 potenziell gefährlichen Rockern in Berlin aus, in Brandenburg werden wohl weitere 300 Männer dazu gerechnet. Hells Angels und Bandidos kommentieren solche Angaben in der Regel nicht. Einzelne Dependancen klagen gegen die Verbote vor Verwaltungsgerichten. Das Vereinsrecht erlaubt eine Auflösungsverfügung durch die Exekutive, ohne dass dies zuvor ein Gericht prüfen muss.

Vor dem „Germanenhof“ wurde 2012 der langjährige Chef der Ost-Berliner Hells Angels „Nomads“ niedergeschossen – offenbar im Auftrag eines Konkurrenten. Der Verletzte hatte das Lokal auch betrieben, nach seiner Genesung trafen sich dort Angehörige der Hells Angels aus ganz Nord- und Ostdeutschland. Die Hells Angels waren bundesweit am stärksten von den Verboten betroffen. Sie lösten zudem viele ihrer Charter – so heißen die lokalen Dependancen – von selbst auf. So hatten sich auch die „Nomads“ für aufgelöst erklärt und neue Gruppen gegründet.

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