Rechtsextremismus : Nazikonzerte unter den Augen der Polizei

Gleich zwei rechtsextreme Szenekonzerte sollen am Samstag in Berlin und Brandenburg stattfinden. Den Sicherheitsbehörden sind die Nazitreffen bekannt, doch verhindern wollen sie die Hasskonzerte nicht. Nur bei konkreten Straftaten soll eingegriffen werden.

Hannes Heine und Johannes Radke

In Berlin will die Bremer Rechtsrockband „Kategorie C“ auftreten. Wo, sagen die Veranstalter nicht. Konzerte der Gruppe werden konspirativ vorbereitet. Den Veranstaltungsort bekommen Gäste über eine bestimmte Handynummer mitgeteilt, sie werden dann über Schleusungspunkte zum Konzert geleitet. Derzeit gehen Kenner davon aus, dass sich Anhänger der Band im Osten der Stadt sammeln werden. Aus dem Haus von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) heißt es, sobald der Auftrittsort bekannt wird, werde man „die entsprechenden Stellen“ informieren. Das dürfte vor allem das Landeskriminalamt sein, denn die Mitglieder und Anhänger von „Kategorie C“ hat der Staatsschutz im Visier. Aus dem Polizeipräsidium heißt es offiziell: „Wir beobachten die Entwicklungen und werden am Sonnabend mit ausreichend Kräften vor Ort sein.“ Unter Rechtsextremen ist „Kategorie C“ sehr populär. Vergangenen November konnte die Polizei in Köpenick einen Auftritt der Band nur mit einem Großaufgebot verhindern. Rund 300 betrunkene Neonazis und Hooligans wurden nach Hause geschickt. Der Sänger der Band ist wegen eines Brandanschlags auf ein Flüchtlingsheim 1991 verurteilt worden. Unter Sicherheitsexperten gilt die Hauptstadt im Umgang mit Nazimusik eigentlich als Vorbild. Dem Verfassungsschutz zufolge gab es 2009 in Berlin nur ein einziges konspirativ organisiertes Nazikonzert.

Anders sieht es in Brandenburg aus. 2009 fanden dort nach Verfassungsschutzangaben sieben rechtsextreme Musikveranstaltungen statt, sieben weitere wurden im Vorfeld verhindert. Für Samstag lädt die NPD zum „Preußentag“ auf das Privatgründstück des DVU-Funktionärs Klaus Mann in Schorfheide (Finowfurt) ein, auf dem schon mehrfach Naziveranstaltungen stattfanden. 300 Rechte erwartet die Partei. Vier Musikgruppen sollen spielen, darunter die Gruppe „Tätervolk“, die unter falschem Namen angekündigt wird. Ihr einziges Album „In brauner Uniform“ wurde 2009 indiziert und verboten. Wegen Volksverhetzung ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Bandmitglieder. In den Texten wird unter anderem zum Mord an Migranten aufgerufen und die Wehrmacht verherrlicht. „Es ist beunruhigend, wie die NPD neuerdings wieder auf die subkulturelle, gewaltbereite Szene zugeht“, sagte Christoph Schulze von der Brandenburger Beratungsstelle Opferperspektive. Brandenburger Antifagruppen haben Proteste gegen das Nazitreffen angekündigt.

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