Rechtsextremismus : Prozess um Überfall auf Iraner in der U-Bahn

Zwei Iraner sind im vergangenen Herbst offenbar ausländerfeindlich beschimpft und zusammengeschlagen worden. Sechs Monate nach dem Vorfall auf dem U-Bahnhof Rehberge müssen sich die Täter vor dem Landgericht verantworten.

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Der Angeklagte tritt auf, als wolle er unbedingt den Eindruck vermeiden, er könnte ein rechter Schläger sein. Sven B. präsentiert sich am Dienstag im Landgericht mit Krawatte und hellem Anzug, der Haarschnitt ist akkurat, allerdings sehr kurz, wie beim Militär. „Es tut mir unendlich leid“, sagt der 30-Jährige in leicht jammerndem Ton, „ich muss mein Leben in den Griff kriegen“. Und sein Alkoholproblem sei „schrecklich, ich muss was tun, das kann nicht sein“. Außerdem hat er just am Tag vor Prozessbeginn dem von ihm geschlagenen Opfer 1000 Euro überwiesen. Der Verteidiger ergänzt, sein Mandant habe sich auch schriftlich entschuldigt und sei sich bewusst, „dass er ein gerüttelt Maß an Mitschuld trägt“. So innig wird am Landgericht selten bereut. Und das gleich zu Beginn einer Hauptverhandlung. Die Richter der 1. Großen Strafkammer bleiben kühl.

Es geht um einen schweren Fall mutmaßlich rassistischer Kriminalität. Laut Anklage haben Sven B., seine Freundin Ines B. (24) und deren Cousin Benjamin E. (26) in der Nacht zum 19. September 2009 auf dem U-Bahnhof Rehberge die Iraner P. und K., zwei Männer mittleren Alters, attackiert. Zunächst soll Benjamin E. das Opfer P. als „scheiß Ausländer“ beschimpft, mit Cola bespritzt und dann bewusstlos geprügelt haben. Sven B. und Ines B. hätten „in die ausländerfeindlich motivierten Beschimpfungen“ eingestimmt, sagt Staatsanwältin Katrin Faust. Als der zweite Iraner eingreifen wollte, sollen die Angreifer auch ihn angepöbelt haben. Und alle drei hätten K. geschlagen und getreten. Benjamin E. soll auch einen Teleskopstock eingesetzt haben.

Die Staatsanwältin schildert noch einen dritten Akt. Als sich die Iraner in die eingefahrene U-Bahn schleppten, habe Ines B. die beiden Männer erneut geprügelt und beschimpft. Obwohl zwei Zeugen versucht hätten, „die erregt um sich schlagende“ Frau zurückzuhalten, habe sie K. noch einen Hieb versetzt, wodurch der Iraner zu Boden gegangen sei. Und Sven B. soll K. derart gegen die Brust getreten haben, dass „dieser kurzzeitig bewusstlos wurde“, sagt die Anklägerin.

Ihr Vortrag wird allerdings von den Richtern gerügt. Faust hat die alte Anklage vorgelesen, in der Benjamin E. auch versuchter Mord vorgeworfen wurde. Das war der Schwurgerichtskammer zu viel, im Januar reduzierte sie den Anklagepunkt auf gefährliche Körperverletzung und reichte den Fall weiter an die 1. Große Strafkammer.

Nach Sven B. lassen sich auch die anderen Angeklagten ein. Die Angaben der drei klingen in Teilen wirr, auch von Erinnerungslücken wegen Alkohol- und Drogenkonsums ist die Rede. Und Sven B. beschuldigt Benjamin E., er habe alles „angezettelt“. Benjamin E. bestreitet, gibt aber zu, er habe einem Iraner „einen Kopfstoß gegeben“. Ab und zu wird suggeriert, die Iraner seien aggressiv gewesen. Allerdings erlitten nur sie Verletzungen. Bei K. war es unter anderem eine Mehrfachfraktur der linken Schulter, P. kam mit einer Platzwunde und Schmerzen in Kopf und Körper davon. Vor Gericht ist er so aufgeregt, dass er nicht richtig sprechen kann. Die Richter verschieben die Befragung auf Donnerstag.

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