Regierungsviertel : Mit Tempo 100 in die Spree

Inmitten des Regierungsviertels ist am frühen Samstagmorgen ein Auto in die Spree gestürzt. Der Fahrer und seine Beifahrerin blieben unverletzt. Sie schwammen ans Ufer und meldeten den BMW als vermisst.

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Ein hartes Stück Arbeit: Fünf Stunden brauchten Feuerwehrkräfte, um das Autowrack zu bergen.
Ein hartes Stück Arbeit: Fünf Stunden brauchten Feuerwehrkräfte, um das Autowrack zu bergen.Foto: Maris Hubschmid

In unmittelbarer Nähe des Bundestages ist in der Nacht zu Samstag ein Auto in die Spree gestürzt. Der Vorfall an sich blieb unbemerkt. Erst, als Sicherheitskräfte des Bundestages auf die am Ende der Otto-von-Bismarck-Allee zur Spree hin durchbrochene Brüstung, Autoteile und Schleifspuren aufmerksam wurden, alarmierten sie die Feuerwehr. Diese traf um kurz nach sechs Uhr am Unfallort ein und forderte umgehend Verstärkung an. Dennoch dauerte es zwei Stunden, bis Taucher den 20 Meter weit abgetriebenen Wagen auf dem Grund des Flusses orteten. Wegen heftiger Strömung und stark getrübter Sicht konnten sie aber zunächst nicht feststellen, ob sich Personen darin befanden. Gegen 9:20 Uhr kam dann die Entwarnung: Das Fahrzeug war menschenleer. Kurz darauf teilten Polizisten über Funk mit, der Fahrzeughalter habe seinen Wagen als gestohlen gemeldet. Später stellte sich heraus: Er hatte selbst am Steuer gesessen.

Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei ihm und seiner Beifahrerin um einen 20-Jährigen und eine 17-Jährige aus der Region Teltow-Fläming. Ihnen war es offenbar gelungen, sich aus dem sinkenden 3er BMW Coupé zu befreien und ans Ufer zu schwimmen. Wie Polizeisprecherin Ziesmer am Vormittag bestätigte, erlitten die beiden nur leichte Verletzungen. Statt den Vorfall zu melden, kehrten sie in ihr Hotel in der Friedrichstraße zurück und zogen sich trockene Sachen an. Inwiefern es sich bei dem Abenteuer um ein Versehen handelte, war am Samstagnachmittag noch unklar. Zum Zeitpunkt des Verhörs soll der Fahrer einen Alkoholwert von 0,8 Promille im Blut gehabt haben. Im Fahrzeug wurden geringe Mengen einer rauschgiftsuspekten Substanz nachgewiesen. Zum Unfallhergang wollte sich der 20-Jährige nicht äußern.

Auto stürzt in die Spree
Der BMW präsentiert sich in wässrigem, verbeulten Glanz.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: Maris Hubschmid
21.08.2010 18:29Der BMW präsentiert sich in wässrigem, verbeulten Glanz.

Vor Ort sagte Jens-Peter Wilken, Sprecher der Berliner Feuerwehr: "Der Wagen muss ein Tempo von mindestens 100 Stundenkilometern gehabt haben." Am Ende der neben dem Paul-Löbe-Haus entlang führenden Sackgasse hatte er sowohl mehrere Betonpoller, als auch eine Metallbrüstung durchbrochen und muss dann, einem spektakulären Stunt gleich, durch die Luft geflogen sein, bevor er auf dem circa fünf Meter tiefer gelegenen Fußgänger-Uferweg aufsetzte und von dort aus in den Fluss stürzte.

Um kurz vor elf Uhr konnten die Taucher dem Wagen mit Luftkissen Auftrieb verschaffen. Ein Feuerwehrboot schleppte das Wrack ein paar hundert Meter weiter die Spree hinauf, wo es mithilfe eines Feuerwehrkrans geborgen wurde.

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